Jugendbildungsstätten stärken – Demokratiebildung sichern

Der niedersächsische Sozialminister Dr. Andreas Philippi hat am Donnerstag, den 02. April, das Haus des Jugendrotkreuzes in Einbeck besucht. An dem Termin nahmen Nils Lüking, Vorstandssprecher des Landesjugendrings Niedersachsen, Hans-Martin Grigoleit, Hausleiter der Einrichtung, Dr. Sabine Michalik, Bürgermeisterin der Stadt Einbeck, sowie die Abgeordneten Frauke Heiligenstadt MdB und Rene Kopka MdL (beide SPD) teil.

Im Rahmen einer ausführlichen Hausführung wurde deutlich, vor welchen erheblichen finanziellen Herausforderungen Jugendbildungsstätten in Niedersachsen derzeit stehen. Steigende Betriebskosten, Investitionsbedarfe bei Gebäuden sowie eine strukturell unzureichende Förderung setzen viele Einrichtungen zunehmend unter Druck.

„Jugendbildungsstätten sind unverzichtbare Orte der Demokratiebildung. Hier erleben junge Menschen Mitbestimmung, Engagement und gesellschaftlichen Zusammenhalt ganz konkret“, betonte Nils Lüking. „Für die überregionale Jugendarbeit sind diese Orte von entscheidender Bedeutung. Umso unverständlicher ist es, dass diese wichtigen Lernorte bislang nicht angemessen vom Land Niedersachsen gefördert werden. Wer Demokratie stärken will, muss auch ihre Lernorte sichern.“

Besonders kritisch wurde beim Austausch die bislang ausgebliebene Beteiligung von Jugendbildungsstätten am Sondervermögen Infrastruktur bewertet. Trotz offensichtlicher Bedarfe bei Sanierung, Modernisierung und energetischer Ertüchtigung bleiben diese Einrichtungen unberücksichtigt, wie die Landesregierung in der Antwort auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Lukas Reinken (CDU) mitteilte (Drs. 19/9040). Damit zeigt sich auch an den Jugendbildungsstätten, dass vom Sondervermögen keine zusätzlichen Mittel in die Infrastruktur fließen. Die Verwendung des Sondervermögens wird damit keiner Generationengerechtigkeit gerecht und junge Menschen werden später die Rechnungen bezahlen und heute weiter auf Modernisierung verzichten müssen.

Hans-Martin Grigoleit machte die konkreten Auswirkungen vor Ort deutlich: „Wir leisten hier täglich wertvolle Bildungsarbeit für junge Menschen aus ganz Niedersachsen. Doch ohne ausreichende Investitionsmittel geraten viele Häuser an ihre Grenzen. Es geht längst nicht mehr nur um Weiterentwicklung, sondern in vielen Fällen um den Erhalt der Infrastruktur.“ In den letzten Jahren sind viele Jugendbildungsstätten und Gruppenhäuser in der Region und darüber hinaus geschlossen worden. „Jede einzelne Einrichtung fehlt bei der Jugendarbeit und darum ist es so wichtig die noch existierenden zu erhalten.“, so Hans-Martin Grigoleit.

Die Kritik der Akteur*innen vor Ort steht im Einklang mit einem gemeinsamen Appell von Landesjugendring, Paritätischem Wohlfahrtsverband, Paritätischem Jugendwerk, der AG Nds. Schullandheime und den Jugendherbergswerken. In einem offenen Brief fordern sie, Jugendbildungsstätten, Schullandheime und Jugendherbergen endlich eine auskömmliche Förderung zu ermöglichen. Diese Einrichtungen seien zentrale Bildungsorte außerhalb von Schule, die einen wesentlichen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftlichen Teilhabe junger Menschen leisten.

„Die Landespolitik ist jetzt gefordert, klare Prioritäten zu setzen“, so Lüking weiter. „Es reicht nicht, die Bedeutung dieser Einrichtungen rhetorisch anzuerkennen – es braucht konkrete finanzielle Unterstützung und strukturelle Absicherung.“
Der Besuch des Sozialministers wurde von allen Beteiligten als wichtiges Signal gewertet. Gleichzeitig machten die Gesprächspartner deutlich, dass weiteren Gesprächen nun auch konkrete Investitionen folgen müssen.

Jugendbildungsstätten wie das Haus des Jugendrotkreuzes in Einbeck leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur demokratischen Bildung und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Damit sie diese Aufgabe auch künftig erfüllen können, braucht es jetzt entschlossenes politisches Handeln.

Hintergrundinformationen:

Der Landesjugendring Niedersachsen e.V. ist der Zusammenschluss der 19 landesweit organisierten niedersächsischen Jugendverbände. Er vertritt die Interessen von ca. 80 einzelnen Jugendverbänden und etwa 200 kommunalen Jugendringen sowie die Interessen der jungen Menschen in Niedersachsen. Ferner unterstützt der LJR das ehrenamtliche Engagement von 50.000 Jugendleiter*innen in der Kinder- und Jugendarbeit in Niedersachsen.

Ansprechpartner:

Landesjugendring Niedersachsen e.V.
Adrian Schiebe (kommissarischer Geschäftsführer)
Zeißstraße 13
30519 Hannover

Tel.: 0511 519 451 13
E-Mail: schiebe@ljr.de
www.ljr.de

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