Erklärung des Vorstandes zur Ablehnung des Antrags auf Einzelmitgliedschaft der DITIB-Jugend und zum Rückzug des Aufnahmeantrags der Young Schura

Der Vorstand des Landesjugendring Niedersachsen e.V. hat den Antrag der DITIB-Jugend auf Einzelmitgliedschaft und den Antrag der Young Schura auf ANJ-Mitgliedschaft seit dem Herbst des letzten Jahres intensiv begleitet und unterstützt. Der Vorstand hat mehrheitlich beide Anträge befürwortet.

Zu einer lebendigen Demokratie gehört nach Überzeugung des Vorstandes auch eine lebendige, offene, aber auch wertschätzende und nicht verletzende Diskussion. Diese Diskussion wurde nicht zuletzt durch die Rahmenbedingungen in der Corona-Pandemie erschwert; schriftliche Stellungnahmen statt persönlicher Begegnungen, fehlende Möglichkeiten zum persönlichen und auch vertraulichen Austausch waren spürbare Hürden für eine gute Diskussionskultur. Leidtragende waren schließlich die Engagierten der DITIB-Jugend und der Young Schura, die in den letzten Wochen mit viel Kraft für Unterstützung geworben haben.

Die DITIB-Jugend ist weiterhin als Teil des Arbeitskreises niedersächsischer Jugendgemeinschaften (ANJ) willkommenes Mitglied im Landesjugendring. Ihre Partizipationsmöglichkeiten im LJR unterscheiden sich daher nur geringfügig von denen, die sie als Einzelmitglied gehabt hätten: Sie sind herzlich eingeladen, an allen Sitzungen des Hauptausschusses und der Arbeitsgruppen teilzunehmen und mitzuentscheiden. Es bleibt ferner festzuhalten, dass sich eine Mehrheit der Delegierten für den Antrag der DITIB-Jugend ausgesprochen hat, jedoch das notwendige Quorum von 2/3 der Delegierten nicht erreicht werden konnte.

Der Vorstand bedauert es, dass die Young Schura ihren Antrag auf Mitgliedschaft aus nachvollziehbaren Gründen zurückgezogen hat. Dadurch fehlte den Delegierten im Rahmen der Vollversammlung leider der Raum für eine Aussprache. In dieser Diskussion hätte sich dann zeigen können, dass die Delegierten zwischen der DITIB-Jugend und der Young Schura differenzieren können. Durch die Erklärung der Rücknahme des Aufnahmeantrags zu Beginn des Tagesordnungspunktes wurde eine Diskussion und Abstimmung darüber obsolet.

Die Vorwürfe der beiden Verbände, dass in der Diskussion rassistische oder antimuslimische Äußerungen gemacht wurden, nimmt der LJR-Vorstand sehr ernst. Er unterstreicht, dass für Rassismus gleich welcher Art kein Platz im Landesjugendring ist; entsprechende Vorwürfe müssen daher geklärt und aufgearbeitet werden.
Der Vorstand ist daher sehr dankbar, dass die Delegierten der Vollversammlung einstimmig dem Dringlichkeitsantrag des Vorstandes gefolgt sind. In Kürze wird eine Arbeitsgruppe ihre Arbeit aufnehmen, die es zum Ziel hat, sich mit inhaltlichen Differenzen bei der Kooperation zwischen MJSOen (Migrant*innenjugendselbstorganisationen), VJMs (Vereinigungen junger Menschen mit (familiärer) Migrationsgeschichte), VyPoC (Vereinigungen von young People of Color) und anderen Jugendverbänden, mit formalen Hürden und inhaltlichen Kriterien einer Mitgliedschaft im Landesjugendring und mit strukturellen Hürden für MJSOen, VJMs und VyPoC bei der formellen Anerkennung als Jugendverband auseinanderzusetzen. Der Vorstand hofft sehr, dass auch Vertreter*innen von der DITIB-Jugend und der Young Schura in dieser Arbeitsgruppe mitarbeiten werden.

Zugleich erneuert der Vorstand seine politische Forderung nach einer Startförderung für MJSOen/VJMs/VyPoC: Die Bereitstellung von finanziellen Ressourcen durch das Land wäre ein wichtiger Schritt, um die neuen Jugendverbände finanziell eigenständig zu machen und ihre Emanzipation vom Erwachsenenverband zu fördern.

Hannover, den 08.03.2021