Aufbruch zu neuen Ufern

Ein Seminar der besonderen Art hat der Landesjugendring im März angeboten: Vertreter-innen verschiedener kommunaler Jugendringe tagten für fünf Tage an Bord eines traditionellen Segelschiffes auf dem Ijsselmeer. Inhaltlich wurden verschiedene Aspekte der Jugendringarbeit beleuchtet und auch das Gruppenerlebnis kam nicht zu kurz.

 

Logbuch eines ungewöhnlichen Jugendring-Seminars

Sonntag Abend, 20.03.2005, Monnickendam

Das Seminar „Aufbruch zu Ufern!” beginnt. Gegen 20 Uhr treffen die Teilnehmer-innen in Monnickendam, einem beschaulichen kleiner Städtchen am Ijsselmeer (NL), etwa 15 km nördlich von Amsterdam ein. Im Hafen liegt die „Chateauroux” ein 1908 gebauter Zweimaster. Auf diesem traditionellen Plattbodenschiff, das Platz für bis zu 25 Personen bietet, werden die Teilnehmer-innen in den kommenden 5 Tagen leben, segeln, Teamwork erleben und inhaltlich arbeiten. Denn Ziel des Seminars für Vorstandsleute aus Jugendringen, Delegierte der Jugendverbände in Jugendringen und Kooperationspartner der öffentlichen Jugendarbeit ist es, gemeinsam zu erarbeiten, welche Route Jugendringe einschlagen sollten und wie ein gutes Teamwork mit anderen Trägern und Jugendverbänden gemeinsam die Jugendarbeit voranbringen kann.

Nachdem das Schiff genauer in Augenschein genommen und die Kajüten bezogen worden sind, wartet zunächst das Abendessen – eine willkommene Stärkung nach der Anreise aus allen Teilen Niedersachsens. Es folgt die „offizielle Begrüßung” durch Skipper Wemme, der einige wichtige Hinweise zum Leben an Bord des Schiffes und zu möglichen Segelrouten gibt. Im Anschluss daran Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen: Jede-r erzählt etwas über sich und den Jugendring vor, in dem sie/er aktiv ist.

Montag Morgen, 21.03.2005, Monnickendam – Medemblik

8.00 Uhr: „Guten morgen! Das Frühstück wartet auf euch!” – Der Duft von frischen Brötchen, Kaffee und Tee lockt die Teilnehmer-innen aus den Kajüten. In der Messe, dem Aufenthaltsraum des Schiffes, wartet ein abwechslungsreiches Frühstück auf sie. Schließlich muss man für einen Segeltörn gut gestärkt sein. Nach dem Frühstück folgt das Morgenplenum: Björn stellt das Tagesprogramm vor. Heute soll es um „Jugendpolitik und Öffentlichkeitsarbeit” gehen: Wie können sich Jugendringe für die Belange von jungen Menschen einsetzen? Wie macht man gute Lobbyarbeit? Welche Perspektiven gibt es in der Jugendpolitik? Und wie kann man das, was man macht, gut in der Öffentlichkeit darstellen? Ein breites Fragenspektrum bietet sich den Teilnehmenden an. Nun liegt es in ihrer Hand, was im Laufe des Tages in Kleingruppen gemacht wird. Denn um parallel zum Segeln inhaltlich arbeiten zu können, wurde eine abgewandelte Methode des „Open Space” gewählt. Dazu benennen die Teilnehmer-innen im Morgenplenum ihre Themenvorschläge und laden zu einer bestimmten Uhrzeit ein. Alle Interessierten finden sich dort ein. Von dem Treffen gibt es ein Protokoll, das später gleichzeitig die Dokumentation darstellt. Somit ist jede-r selber dafür verantwortlich, was sie/er von dem Seminar mitnimmt. Daneben gibt es das Angebot der individuellen Beratung durch die Seminarleitung, um konkrete Fragen für den Einzelfall klären zu können.

Nach dem Morgenplenum, dem Abwasch und dem „seefestmachen” der Kajüten und der Messe versammeln sich alle an Deck. Jetzt geht es zunächst ans Segeln. Skipper und Maat erklären, die Knoten, die jede-r können muss, führen etwas in die Schiffskunde ein und geben Verhaltens- und Sicherheitshinweise.

Nach dem wir den Hafen hinter uns gelassen haben, geht es dann richtig los: Der Klüverbaum wird heruntergelassen, das Klüvernetz gespannt, die Backstage angespannt bzw. gelöst und die Fender eingeholt. Dann können die Segel gehisst werden. Während es für das Großsegel eine Kurbelwinde gibt, müssen Fog-, Besan- und die beiden Klüversegel mit Tauen in die Höhe gezogen werden. Zunächst geht das ja noch leicht – ein Kinderspiel! – doch mehr und mehr verfängt sich der Wind in den Segeln. Gut das man nicht alleine an Bord ist, sondern es eifrige Mitsegler-innen gibt. Gemeinsam sind die Segel bald in der richtigen Position.

Doch um unser Ziel mit der Kraft des Windes und ohne Motor erreichen zu können, müssen wir „kreuzen”: Der Wind kommt von vorne und gegen den Wind kann man nicht segeln. Also müssen wir im Zick-Zack-Kurs fahren. Nach jeder Wende sind die Segel auf der anderen Seite des Schiffes, die Schote müssen neu angezogen oder nachgelassen werden... Dann das nächste Erlebnis: Bei Enkhuizen müssen wir eine Schleuse passieren. Dazu müssen alle Segel eingeholt und die Fender an der Außenwand des Schiffes verteilt werden. Anschließend dann wieder die Segel gehisst werden.

Zunächst überwiegt die Neugier am Segeln – an die Arbeitsgruppen denkt noch keine-r. Doch am Nachmittag beginnen die Kleingruppen zu arbeiten. Gegen 19 Uhr erreichen wir Medemblik – hier werden wir heute Nacht anlegen.

Während einige Teilnehmer-innen die Stadt erkunden, geht es in der Küche heiß her. Schließlich wollen alle bald etwas essen – Seeluft macht hungrig! Um 21 Uhr ist das Tagespensum geschafft, in der Küche und der Messe ist wieder „klar Schiff” und der gemütliche Teil des Abends kann beginnen.

Dienstag, 22.03.2005 – Donnerstag, 24.03.2005: Medemblik – Amsterdam – Enkhuizen

In den folgenden Tagen wiederholt sich die tägliche Prozedur: Frühstück – Einkauf – Morgenplenum – Segel auspacken – Ablegen – Segel hissen – Workshops / Segeln / Gespräche in Kleingruppen / Erfahrungsaustausch – Anlegen – Segel falten und verpacken – Abendessen – Tagesausklang. Was sich ändert, sind die Häfen – und die Inhalte des Seminars. Denn jeden Tag steht ein anderes Themenfeld im Mittelpunkt und bietet den Rahmen für das „Open Space”. Und so machen sich die Teilnehmer-innen Gedanken zur Attraktivität des Jugendrings für Jugendgruppen, zur Vernetzung der Jugendringarbeit und zur Perspektive und neuen Arbeitsfeldern für Jugendringe.

Bei schönem Sonnenschein und Wind der Stärke 2-4 genießen alle den Törn und tanken die erste Frühlingssonne. Noch vor zwei Wochen waren die Häfen am Ijsselmeer vereist und auch in Teilen Niedersachsens lag noch Schnee – heute können wir hier schon einmal „vorbräunen”.

Am Donnerstag Abend folgt dann auch schon die Seminarkritik, denn am Freitag wird dafür wenig Zeit bleiben. Alle Teilnehmenden waren von dem Segeltörn begeistert, auch die Mischung aus Inhalt und Segeln wird positiv beurteilt.

Freitag, 25.3.2005: Enkhuizen – Monnickendam

Viel zu schnell ist die Zeit vergangen. Heute geht es bereits zurück zum Heimathafen! Gegen 15.30 Uhr ist das Deck geschrubbt sowie Messe und Kajüten gereinigt. Doch gemeinsam war auch das ein Kinderspiel. Die letzte Wende, das letzte Einholen der Segel: In der Zwischenzeit ist das Team eingespielt, die Handgriffe und Knoten sitzen – Schade, dass das Seminar vorbei ist. Doch alle sind sich einig: Auch in Zukunft wollen wir gemeinsam die Jugendringe in Niedersachsen voran bringen! Eine weitere Vernetzung ist wichtig. Und jede-r wird im Kontakt mit anderen Jugendringen von den tollen Erlebnissen erzählen – damit beim nächsten Seminar noch mehr Jugendringe teilnehmen und mit noch mehr neuen Ideen und Erfahrungen es noch besser voran geht!

Und so sah das aus:

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