Jugendangebot von ARD und ZDF

ARD und ZDF halten ein digitales Jugendangebot (ehem. "Jugendkanal) vor. Der Landesjugendring Niedersachsen (LJR) hat sich vorab in das Konsultationsverfahren eingebracht:

Wir begrüßen die Planungen für ein Jugendangebot von ARD und ZDF und schließen uns der bereits vorliegenden Stellungnahme des Deutschen Bundesjugendrings an.

Ergänzend möchten wir folgende Anregungen geben:

Wir begrüßen den Anspruch an das Jugendangebot, „die Beteiligung der jungen Zielgruppe am gesellschaftlichen Diskurs [zu fördern] und [...] gesellschaftliche Debatten [auszulösen].“ Jugendverbände und Jugendringe sind seit Jahrzehnten nicht nur die Interessenvertretungen junger Menschen, sondern beteiligen diese „bottom-up“ an den Prozessen und Positionierungen. Als ausgewiesene Experten für die zielgruppenspezifische Beteiligung junger Menschen erachten wir es als sinnvoll, jungen Menschen nicht nur die Möglichkeit zu geben, sich durch Kommentare etc. am vorhandenen Content des Jugendangebots zu beteiligen, sondern auch Einfluss auf die Gestaltung des Angebots, auf die Entwicklung neuer Inhalte und die Setzung von Themen nehmen zu können.

Die bisherigen Beteiligungsmöglichkeiten für Dritte – so z.B. auch die Sessions auf der re:publica 2015 – haben nach unserer Auffassung den Ansprüchen nach einer breiteren Beteiligung junger Menschen nicht genügt – auch dort wurde oftmals mehr über als mit der Zielgruppe gesprochen. Die Einbeziehung von „YouTube-Stars“ in die Konzeptionierung des Angebots ist sicherlich sinnvoll, zugleich würden wir uns aber auch wünschen, dass das Jugendangebot von ARD und ZDF die Potenziale der Beteiligung junger Menschen dahingehend nutzt, aus den Konsument-inn-en Produzent-inn-en zu machen und so „eigene Stars“ zu schaffen. Ergänzend sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass wir es als unabdingbar erachten, dass in allen Rundfunk- und Fernsehräten der öffentlich-rechtlichen Sender mindestens ein-e Vertreter-in speziell für die Interessen junger Menschen mit Sitz und Stimme verankert ist.

Dass die Macher-innen des Jugendangebots auf junge Menschen zu gehen wollen, ist dabei aus unserer Sicht ein unverzichtbarer Bestandteil des Konzeptes. Der Kontakt zu jungen Menschen sollte auch auf Festivals, jugendkulturellen Veranstaltungen oder auch im Rahmen von medienpädagogischen Angeboten der Jugendarbeit/Jugendbildung gesucht werden.

Das digitale Angebot bietet die Chance auf ein vielfältiges Angebot, das verschiedenen Jugendkulturen und Interessen gerecht werden kann, da Jede-r zu (möglichst) jeder Zeit passende Inhalte finden kann. Die Diversität jugendlicher Lebenslagen sollte daher von den Macher-inne-n positiv beachtet und genutzt werden.   

Die Beschränkung des Jugendangebotes auf ein Online-Angebot benachteiligt junge Menschen (oder schließt sie im schlimmsten Falle sogar aus), die keinen ausreichenden Zugang zu digitalen Medien haben. So haben junge Menschen in ländlichen Regionen häufig keinen schnellen Internetzugang und finanziell schlechter gestellte Jugendliche verfügen nicht über ausreichende Datentarife für ein Streaming auf mobile Endgeräte. Vor diesem Hintergrund ist es aus unserer Sicht umso wichtiger, dass das Jugendangebot von ARD und ZDF auch Niederschlag in Fernsehangeboten von ARD, ZDF und den Dritten Programmen findet – das digitale Jugendangebot muss zu einer Stärkung der Jugendangebote im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und nicht zu einer weiteren Schwächung führen.

Hannover, den 28.07.2015

Stellungnahme zum offenen Konsultationsverfahren für das Jugendangebot von ARD und ZDF des Deutschen Bundesjugendring zum ARD/ZDF Jugendangebot (PDF)