Juleica darf gegenüber der Ehrenamtskarte nicht benachteiligt werden

2007 hat das Land Niedersachsen die Ehrenamtskarte ins Leben gerufen. Ziel der Karte soll es sein, ehrenamtlich Aktiven über 18 Jahren, die sich mehr als 250 Stunden pro Jahr engagieren, eine zusätzliche Anerkennung zuteil werden zu lassen.

Mit einer Prämie von 3.000 Euro werden seither die Landkreise umworben, die Ehrenamtskarte vor Ort einzuführen und Vergünstigungen einzuwerben. Bereits im vergangenen Jahr hat der Landesjugendring Niedersachsen das Land aufgefordert, die Ehrenamtskarte nicht einseitig zulasten der Juleica zu profilieren. In einem gemeinsamen Gespräch hat die Staatskanzlei zugesichert, bei den Handreichungen für die Kommunen auf die Juleica hinzuweisen und zu empfehlen, dass für die Ehrenamtskarte eingeworbene Vergünstigungen automatisch auch den Juleica-Inhaber-inne-n zugutekommen.

Doch in der Praxis sieht es leider zurzeit häufig anders aus. Dabei gibt es gute Argumente, warum insbesondere das ehrenamtliche Engagement in der Jugendarbeit einer besonderen Förderung bedarf und mit der Juleica mindestens die gleichen Leistungen verbunden sein müssen:

  • Über 40% der Jugendleiter-innen sind unter 18 Jahre alt, können also die Ehrenamtskarte gar nicht beantragen.
  • Über 75% der Juleica-Inhaber-innen sind nicht älter als 25 Jahre. Der überwiegende Teil von ihnen ist noch Schüler-in, Student-in oder Auszubildende-r. Das hat zur Folge, dass sie
    1. in der Regel über deutlich weniger Geld verfügen als die/der durchschnittliche Engagierte.
    2. andere staatliche Formen der Anerkennung, z.B. Steuerfreibeträge, von ihnen nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden können.

Gerade für sie sind weitergehende Vergünstigungen hilfreich und von besonderer Bedeutung.

  • Ehrenamtliches Engagement im Jugendalter ist eine wichtige Weichenstellung für späteres gesellschaftliches Engagement. Der überwiegende Teil der heute engagierten Erwachsenen hat erstmals in der Jugendphase ein Ehrenamt übernommen. Daher sollte das Engagement in dieser Lebensphase besonders anerkannt werden,
  • Die Juleica ist nicht nur der Nachweis für kontinuierliches ehrenamtliches Engagement, sondern auch ein Qualifikationsnachweis: Um die Juleica beantragen zu können, muss man eine mindestens 50-stündige Ausbildung absolviert haben.
  • Die Juleica ist ein bundesweit einheitliches Produkt und genießt hohes Ansehen in der Fachöffentlichkeit und bei den Jugendleiter-inne-n. Die Bedeutung und Akzeptanz der Juleica darf nicht durch eine einseitige Förderung der Ehrenamtskarte gefährdet werden.
  • Niedersachsen ist bundesweit absoluter Juleica-Spitzenreiter, ein gemeinsamer Erfolg aller in der Jugendarbeit tätigen Institutionen, der nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden sollte.

In der Vergangenheit waren es vor allem die Jugendverbände und Jugendringe, die sich vor Ort selber um entsprechende Vergünstigungen bemühen mussten. Wenn nun die öffentliche Hand entsprechende Vergünstigungen für Ehrenamtliche einwirbt, sollte es keine Ehrenamtlichen erster und zweiter Klasse geben. Daher fordert der Landesjugendring Niedersachsen das Land und die Kommunen auf, die Juleica im gleichen Maße zu fördern wie die Ehrenamtskarte.

Der LJR bittet Jugendverbände und Jugendringe auf der kommunalen Ebene um Mitteilung, wenn es vor Ort zu einer Benachteiligung der Juleica kommt, und fordert dazu auf, sich vor Ort in Gesprächen mit Politik und Verwaltung für die Gleichbehandlung einzusetzen.