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Landesjugendring begrüßt Kritik am Turboabitur

Der Landesjugendring Niedersachsen begrüßt, dass nun auch der Arbeitgeberverband Gesamtmetall und die Unternehmerverbände Niedersachsens die verkürzte Gymnasialzeit kritisch hinterfragen und ein Umdenken bei der Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur fordern.

„Die Auswirkungen des Turboabis sind dramatisch: Während über 52% der G9-Schüler-innen gesellschaftlich/ehrenamtlich engagiert sind, sind dies unter den G8-Schüler-inne-n nur 43%“ so Jens Risse, Vorstandssprecher des Landesjugendrings, der auch berichten kann, dass der Stundenumfang des ehrenamtlichen Engagements bei Turbo-Abiturient-inn-en deutlich geringer ist. „Jugendlichen wird durch die Verdichtung der Schulzeit die Chance genommen, durch ehrenamtliches Engagement wichtige »Soft-Skills« wie Teamfähigkeit, Verantwortungsübernahme oder Organisationstalent zu erlernen, die für den weiteren Lebensweg oftmals mindestens genauso wichtig sind, wie das Schulwissen“ so Risse weiter; viele Jugendgruppen und Vereine hätten stark unter den Folgen des Turboabiturs zu leiden und müssten ihre Angebote umstellen.


Die Jugendphase ist nach Ansicht des Landesjugendrings bei Weitem nicht nur die Vorbereitung auf das spätere Berufsleben. Daher darf die Jugendphase nicht unter kommerziellen Verwertungsinteressen durchgeplant und strukturiert werden. Junge Menschen brauchen Freiräume, in denen sie sich selber entfalten und ausprobieren können, in denen sie eine eigenständige Persönlichkeit entwickeln können und lernen, eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen. Jugendarbeit bietet genau diese Freiräume: Junge Menschen gestalten hier ihre Freizeit, lernen Mitbestimmung und Demokratie, übernehmen Verantwortung und erlernen damit wesentliche soziale Kompetenzen. Diese Erfahrungen aus der Jugendphase schlagen sich auch im späteren gesellschaftlichen Engagement wieder: Der überwiegende Teil der engagierten Erwachsenen hat sich erstmalig als Jugendliche-r engagiert – die langfristigen gesellschaftlichen Folgen des Turboabis sind daher nach Ansicht des Landesjugendrings noch gar nicht absehbar.


Umso wichtiger ist es nach Auffassung des Landesjugendrings, dass die Diskussion um die Dauer der Schulzeit bis zum Abitur erneut geführt wird.