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Bildquelle des Gefängnis-Bildes: http://flickr.com/photos/1v0/211118594/

Jetzt Ferienlager statt später Straf-Camp

Die medienträchtige Debatte um die Verschärfung des Jugendstrafrechts löst keine Probleme und geht am eigentlichen Bedarf vorbei. Wer wie in den letzten Jahren die Förderung von Bildung und Jugendarbeit massiven Kürzungen aussetzt, der muss sich nach Auffassung des Landesjugendringes Niedersachsen nicht darüber wundern, dass präventive Maßnahmen z.B. der Jugendverbände rückläufig sind.

Der zunehmende finanzbedingte Mangel an pädagogischen Freizeitangeboten trägt maßgeblich zum Verlust von Sozialkompetenz und zur Steigerung der Gewaltbereitschaft von Jugendlichen bei.
In den Freizeit- und Bildungsmaßnahmen der Jugendverbände werden in besonderem Maße Kooperationsbereitschaft, die Übernahme von Verantwortung und Erfolgserlebnisse vermittelt. Die Jugendlichen bekommen die Möglichkeit, Initiativen zu entwickeln und eigene Ideen umzusetzen, müssen sich jedoch gleichzeitig in die Gruppe integrieren und selbst Lösungen für auftretende Probleme entwickeln. Bildung und Jugendarbeit stärken damit soziale Kompetenzen und entwickeln nachhaltig gesellschaftliche Integrationskräfte, bevor es zur Delinquenz kommt.

Es ist nach Ansicht des Landesjugendrings Niedersachsen schon sehr verwunderlich, wenn auf der einen Seite die Landesmittel für die Förderung der Jugendarbeit und der Jugendverbandsarbeit in den fünf Jahren der ablaufenden Legislaturperiode allein für den Bereich der so genannten freiwilligen Leistungen um 40% gekürzt und ganze Förderprogramme ersatzlos gestrichen wurden und auf der anderen Seite jetzt mehr Geld für die juristische Verfolgung und Bestrafung von jungen Menschen offenbar problemlos zur Verfügung steht.

„Wir fordern: Ferienlager für Kinder und Jugendliche statt Straf-Camps dann, wenn Jugendliche auffällig geworden sind”, so der Vorstandssprecher des Landesjugendringes, Martin Richter. „Die Jugendarbeit muss mit entsprechenden finanziellen und personellen Mitteln ausgestattet werden, um gerade auch für junge Menschen mit besonderem Förderbedarf wieder mehr Angebote durchführen zu können.”

Die Erfahrungen in den letzten Jahren haben nach Ansicht von Richter deutlich gezeigt, dass wegen fehlender finanzieller Kompensation immer weniger Jugendliche aus ärmeren Familien die Angebote der Jugendarbeit nutzen können. Zum anderen wird es immer schwieriger, die strukturellen und personellen Rahmenbedingungen dafür zu sichern, dass die ehrenamtlichen Jugendleiter-innen für die Arbeit mit jungen Menschen mit besonderem Förderbedarf gezielt qualifiziert und unterstützt werden.
Gemeinsames Ziel muss es sein, die Jugendarbeit so zu stärken, dass für alle Jugendlichen bedürfnisgerechte Angebote geschaffen werden können, die ihre sozialen Kompetenzen stärken, unterstützend wirken und gesellschaftlichen Halt geben.

Der Landesjugendring Niedersachsen fordert, dass die Jugendarbeit wieder stärker mit politischer Priorität versehen wird; die aktuellen Wahlprogramme lassen bisher kaum neue Weichenstellungen erkennen. Der Landesjugendring appelliert bereits heute an die nächste Landesregierung, die Fördermittel für die Jugendarbeit unmittelbar nach der Landtagswahl deutlich aufzustocken und die Arbeit der 50.000 ehrenamtlich tätigen Jugendleiter-innen auf der regionalen Ebene in Niedersachsen durch eine neue Förderinitiative zu stärken.

Die jugendpolitische Bilanz der Legislaturperiode 2003-2008 hat der Landesjugendring Niedersachsen e.V. in der „korrespondenz” (Nr. 103) dokumentiert; alle Informationen können online unter www.ljr.de/Bilanz-Ausblick.593.0.html nachgelsen werden.