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DBJR: "Werkstätten der Demokratie nicht in ihrer Existenz bedrohen"

Berlin, 09.03.2010 - Der Jugendarbeit in Sachsen wird die finanzielle Grundlage entzogen. Der Deutsche Bundesjugendring, das Netzwerk der bundesweit tätigen Jugendverbände und der Landesjugendringe, beurteilt Kürzungen der Finanzmittel für die Jugendarbeit als kurzsichtige Politik. „Jugendverbände sind Werkstätten der Demokratie, sie dürfen nicht in ihrer Existenz bedroht werden“, sagt Sven Frye, Vorsitzender des Deutschen Bundesjugendrings.

Die Konferenz der 16 Landesjugendringe, die derzeit in Bremen tagt, hat ebenfalls Stellung zu den Kürzungen in Sachsen genommen. In einer Resolution erklären sie: „Jugendverbände geben Kindern und Jugendlichen auf deren Suche nach ihrem eigenen Lebensweg, ihren Werten und Haltungen vielfältige Räume zum Ausprobieren und begleiten sie mit Rat und Tat“. Das Engagement vieler Kinder und Jugendlicher in den Jugendverbänden hat deswegen vielfältige positive und notwendige Folgen für die Zivilgesellschaft. „Für eine demokratische Gesellschaft ist das Angebot der Jugendverbände eine wichtige Säule“, betont auch Sven Frey. Wenn dieser wichtigen Arbeit die finanzielle Basis geraubt wird, hat das verheerende Folgen: Das Vertrauen in die Demokratie geht verloren, rechtsextreme und demokratiefeindliche Gruppierungen finden Zulauf. „Wir fordern die sächsische Landesregierung deswegen auf, die notwendigen Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit dringend zu erhalten und sogar auszubauen“, betont Sven Frye.

In ihrer Resolution weisen die Landesjugendringe auch Äußerungen der sächsischen Staatssekretärin im Sozialministerium, Andrea Fischer, entschieden zurück. Sie hatte die Kürzungen verteidigt und gesagt: „In einem Bild gesprochen heißt das: Kein Geld mehr für Häkelkurse für Mädchen im ländlichen Raum, dafür aber an Brennpunkten einen Streetworker mehr“ (Lausitzer Rundschau). Aus Sicht des DBJR und der Landesjugendringe zeugt diese Sichtweise von fehlendem Verständnis der zivilgesellschaftlichen Potenziale des Engagements von Kindern und Jugendlichen in den Jugendverbänden.


RESOLUTION DER LANDESJUGENDRINGE

Die Konferenz der 16 Landesjugendringe in der Bundesrepublik Deutschland weist die inkompetenten Äußerungen der sächsischen Staatssekretärin, Andrea Fischer, zu den Kürzungen in der Kinder- und Jugendarbeit des Freistaates entschieden zurück.

Jugendarbeit als „Häkelkurse“ zu verunglimpfen, zeugt zum einen von ihrem fehlenden Verständnis der zivilgesellschaftlichen Potenziale des Engagements für Kinder und Jugendliche. Zum anderen dokumentiert sie damit ihre Unkenntnis über den gesetzlich garantierten Anspruch auf Förderung der Persönlichkeit aller junger Menschen, der sich aus dem Kinder- und Jugendhilfegesetz ergibt.

Die Kürzungen gefährden die in den letzten 20 Jahren engagiert und mit bundesweit vereinten Kräften aufgebauten, inzwischen bewährten Strukturen der Jugendverbandsarbeit in ihrer Existenz. Der Freistaat Sachsen verschlechtert wissentlich und vorsätzlich die Rahmenbedingungen für ein gelingendes Aufwachsen jener Kinder und Jugendlichen, die in den kommenden Jahren Verantwortung für seine demokratische Gestaltung und kompetente Weiterentwicklung übernehmen sollen. Er verzichtet auf die Mitwirkung des Kinder- und Jugendrings Sachsen e.V., seiner Mitgliedsorganisationen und deren pädagogischen Fachkräfte, in dem er ihnen ihre Arbeit unmöglich macht. Sachsen geht den falschen Weg.

Die Konferenz der Landesjugendringe fordert die sächsische Staatsregierung auf, die Kürzungen zurückzunehmen und die bestehenden Strukturen zu sichern und weiterzuentwickeln. Jugendverbände haben durch das Heranführen junger Menschen an demokratisches Handeln, an verantwortungsvollen, toleranten Umgang miteinander und an ehrenamtliches Engagement in hohem Maß gesellschaftsbildende Wirkung: Jugendverbände sind Werkstätten der Demokratie. Sie geben Kindern und Jugendlichen auf deren Suche nach ihrem eigenen Lebensweg, ihren Werten und Haltungen vielfältige Räume zum Ausprobieren und begleiten sie mit Rat und Tat. Durch ihre starke Orientierung an den Bedürfnissen junger Menschen realisiert Jugendverbandsarbeit die Teilhabe und Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen an sie betreffenden Entscheidungen.

Der mit den jetzigen Kürzungen verbundene weitgehende Verzicht des Freistaates auf die Kompetenz seiner Jugendverbände und -vereine ist kurzsichtig und beschädigt die sächsische Zivilgesellschaft. Die sächsische Landesregierung provoziert mit ihrem jetzigen Vorgehen in den kommenden Jahren ein deutliches Mehr an Ausgaben z. B. in Polizei, Justiz und Strafvollzug. Eine leistungsfähige, nachhaltige und präventiv wirkende Jugend- und Jugendverbandsarbeit ist demgegenüber kostengünstiger und zukunftsfähiger.

Bremen, 09. März 2010