News

Auf Zeltlager im Museum - die 30. »feier-abend-gespräche« zu Gast bei den Pfadfinderringen

Nirgendwo lodert ein Feuer, doch Brandgeruch zieht sich durch die ehrwürdigen Räume des Historischen Museums in Hannover. Aus einer Ecke des Foyers dringt leise Gitarrenmusik, und am Eingang steht eine große Kohte. Klarer Fall:

Die Pfadfinder haben hier Quartier bezogen. Am Abend dieses 18.10.2007 müssen die Kunstschätze und Zeitzeugnisse des Museums zurückstehen – im Mittelpunkt stehen „100 Jahre Pfadfinden” und die 30. feier-abend-gespräche des Landesjugendringes Niedersachsen.

150 Gäste aus Jugendverbänden, Jugendringen, Politik und Verwaltung sind gekommen, um in die Geschichte der Pfadfinderringe einzutauchen und nach Feierabend das lockere Gespräch zu suchen. Stilgemäß mit Kluft, d.h. Hemd, Hut und Halstuch eingekleidet, und ausgestattet mit einem Fragebogen beginnt der Rundlauf durchs Museum. An fünf Stationen gilt es, Antworten auf Fragen nach dem Gründer der Pfadfinderbewegung zu finden oder aber zu erschließen, in welchen fünf Ländern der Erde es keine Pfadfinder-innen gibt.

An Erkenntnis reicher folgt ein weiterer Rückblick und Ausblick durch den BdP-Vorsitzenden Jan Schütte, der deutlich macht, dass Pfadfinder-innen auch nach 100 Jahren noch nicht reif für das Museum sind. Auch wenn manches dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen ist, viele Charakteristika haben dank pfadfinder-spezifischem „Anti-Aging” den Sprung ins 21. Jahrhundert geschafft. Moderne Inhalte und Methoden sowie die Förderung von Eigeninitiative und Demokratie bilden heute den Kern der Jugendarbeit.

Für den Landesjugendring gratuliert Vorstandssprecher Martin Richter zum 100. Geburtstag und unterstreicht die Bedeutung von Jugendverbandsarbeit für die Förderung von Demokratie. Gerade im Blick auf die Bemühungen von Rechtsextremen, Jugendliche für sich zu gewinnen, sei es wichtig, Zivilcourage zu zeigen und menschenverachtenden Haltungen entgegenzutreten. Er appelliert an die Politik, Jugendarbeit nicht dem Sparzwang zu opfern, da Rechte mit ihren Strukturen dankbar in die entstehenden Lücken drängten.

Nach Reden und Geschenkübergabe bleibt noch Zeit für intensive Gespräche, Stärkung am Buffet und an der Saftbar. Am Ende des Abends ist, so der Wunsch von Jan Schütte, hoffentlich jede-r überzeugt, dass Pfadfinden mehr bedeutet als das Motto „Jeden Tag eine gute Tat”. Vielmehr wollen Pfadfinder-innen „die Welt ein bisschen besser verlassen, als wir sie vorgefunden haben”. Schöner Nebeneffekt für das Historische Museum: Auch viele Museumsmuffel verlassen den Ort ein bisschen besser gestimmt und wollen sogar einmal einen separaten Besuch wagen.