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Jugendarbeit nicht länger als Stiefkind der Familienpolitik behandeln

Anlässlich des heute (18.06.2008) in Essen beginnenden Jugendhilfetages fordert der Landesjugendring Niedersachsen e.V. eine deutliche Aufwertung der Jugendarbeit seitens der Politik. „Die Jugendarbeit wurde in den letzten Jahren immer mehr als Stiefkind der Familien- und Bildungspolitik behandelt und die öffentliche Förderung drastisch reduziert” so Vorstandssprecher Martin Richter.

So sei in Niedersachsen der Anteil der Ausgaben für die Bildungs- und Freizeitangebote der Jugendverbände und der offenen Jugendarbeit an den Ausgaben der Jugendhilfe seit 1990 von 14,5% auf 7,9% im Jahr 2006 reduziert worden. „Während der Staat immer mehr Geld für Hilfen zur Erziehung und Kinderbetreuung ausgibt, wurden bei der Jugendarbeit ganze Förderprogramme ersatzlos gestrichen und Personal entlassen” bilanziert Richter. Allein das Land Niedersachsen hat nach Aussagen des Landesju-gendrings im Vergleich zu 2003 über 1,4 Mio. Euro Fördermittel gestrichen (inklusive der Impulsprogramme sogar mehr als 4 Mio. Euro), hinzu kämen die Kürzungen der Kommunen.
Nach Ansicht des Landesjugendrings werde offensichtlich lieber das Geld in den „Reparaturbetrieb” der Jugendhilfe gesteckt, als die präventiv wirkende Jugendarbeit zu fördern.
Im Hinblick auf die bevorstehenden Sommerferien macht Richter die Problemlage an einem praktischen Beispiel deutlich: „Durch die reduzierten Zuschüsse steigen die Teilnahmebeiträge für die Sommerfreizeiten. Insbesondere Jugendliche aus Familien mit geringerem Einkommen können sich dann eine Teilnahme nicht mehr leisten.” Ihnen würden so wichtige Erfahrungen und Lernfelder vorenthalten, denn während der Freizeiten und Bildungsangebote der Jugendarbeit würden wesentliche Sozialkompetenzen vermittelt, die spätere erzieherische Hilfen entbehrlich machen könnten.
Die Teilhabe aller jungen Menschen an den Angeboten der Jugendarbeit und an schulischen und außerschulischen Bildungsangeboten ist nach Ansicht des Landesjugendrings eine zentrale Herausforderung für die Politik, die auch durch den Untertitel des 13. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetages „Bildung, Integration und Teilhabe” deutlich werde.