
Jugendtour - Internet - Kommunalwahl
Jugendpolitisches Internetprojekt zur Kommunalwahl 2001 in Niedersachsen
Die Jugendringe und Jugendverbände in Niedersachsen starten zur Kommunalwahl zwischen dem 13. August und 7. September 2001 eine Tour durch 17 Städte, um Brücken zwischen Jugendlichen auf der einen und Kandidatinnen und Kandidaten zur Kommunalwahl auf der anderen Seite zu bauen. Ausgestattet mit Computern, Technik und kompetentem Personal können junge Leute Erfahrungen mit und im Internet sammeln, örtliche Initiativen und Internet-Projekte können sich und ihre Arbeit vorstellen. Eine spannende Talkshow mit den Kandidierenden incl. Internet-Testwahlen und Spaß-Aktionen rundet die Events ab.
Demokratie braucht Beteiligung - gerade die der jungen Leute!
Das Projekt findet im Rahmen der Landesinitiative „respect - Jugend in Niedersachsen für Demokratie, Menschenrechte und Toleranz” statt. Die Landesinitiative flankiert die Bundesinitiative „Jugend für Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus”. Damit übernimmt der Landesjugendring Niedersachsen eine wichtige Projektmoderation, denn der Kampf gegen Rechtsextremismus und Gewalt muss auch immer einer für Demokratie sein, und gerade bei Jugendlichen finden wir eine mitunter erschreckende Distanz zum politischen Geschehen im Allgemeinen und zu Wahlen im Besonderen. Jugendliche Wähler-innen interessieren sich immer weniger für die Angebote der Parteien - umgekehrt fällt es diesen offenkundig schwer, mit ihren Veranstaltungen und Ansprachsformen junge Leute zum Wählen, geschweige denn zum Mitmachen zu mobilisieren. Genau hier sieht der Landesjugendring seine Aufgabe, Brücken zwischen den Jugendlichen und der Politik zu bauen.
1. Brücken bauen zwischen Jugend + Politik
Schon die 13. Shell-Jugendstudie vom März 2000 belegte die zunehmende Distanz Jugendlicher gegenüber staatlichen Institutionen, Parteien und Parlamenten. Dieses Ergebnis ist besorgniserregend, zumal der Erhebungszeitraum der Untersuchung noch vor dem Parteispendenskandal lag. Die Aufgabe, Brücken zwischen der Jugend und der Politik zu bauen, stellt sich als Aufgabe für beide Seiten: für Jugendliche und Erwachsene; für Jugendvertretungen wie den Landesjugendring und für Parteien!
Die aktuellen Partizipationsdebatten greifen dieses Anliegen auf; es ist aber noch nicht entschieden, ob die Angebote der Erwachsenen den Jugendlichen wirklich gefallen und zum Mitmachen animieren. So wurde z.B. jüngst die Niedersächsische Gemeindeordnung geändert und um das Beteiligungsgebot an Kinder und Jugendliche im kommunalen Kontext erweitert. Eine landesweite Beteiligungsmesse im April des Jahres in Osnabrück zeigte die Bandbreite bereits bestehender Aktivitäten im Lande. Die - zwischenzeitig im dritten Durchgang stattfindende - Ausbildung für Moderator-inn-en für Beteilungs-projekte auf örtlicher Ebene qualifiziert das Arbeitsfeld und sorgt für professionelle und nachhaltige Strukturen.
Brücken werden von beiden Seiten gebaut, aber es besteht die Gefahr, dass sich die Elemente nicht in der Mitte treffen! Die Jugendlichen finden sich schnell auf „Alibi-Spielwiesen“ wieder und ihr Interesse an der Beteiligung bricht ab. Erwachsene können oder wollen sich oft nicht mit den Vorstellungen der Jugendlichen auseinandersetzen und die Kommunikation droht abzubrechen.
2. Kommunalwahlen in Niedersachsen 2001 als Anlass
Die Kommunalwahlen bieten den konkreten Anlass, Brücken zwischen Jugendlichen und den Kandidatinnen und Kandidaten der Kommunalwahl zu bauen. Das politische Interesse Jugendlicher bezieht sich häufig auf den unmittelbaren Nahbereich, ihr Lebensumfeld. Dies kann bei der Kommunalwahl genutzt werden. Beide Seiten haben ein besonderes Interesse: Jugendliche wollen mit ihren Forderungen gehört und ernst genommen werden, wollen Politiker-innen, die sich für ihre Belange einsetzen. Kandidierende wollen, dass sie gewählt werden und sich bei ihren potenziellen Wähler-innen bekannt machen.
Diesen Umstand macht sich der Landesjugendring zunutze und knüpft mit seiner Aktion neXT vote - i vote an zwei Stellen an bisherigen Erfahrungen an:
Die Aktion „Talk & Rock” zur Kommunalwahl 1996: Auch hier hat der Landesjugendring eine Tour durch das Land organisiert und durchgeführt. Dabei wurde das Thema „Wahlalter 16“ aufgegriffen und jugendgerecht transportiert. Weitere Infos dazu unter www.ljr.de.
Projekterfahrungen in der Kampagne neXTgeneration®, das Zukunftsprogramm der Jugendverbände und Jugendringe in Niedersachsen, welches wir unter dem Motto „Visionen, die sich lohnen!” seit 1997 durchführen: Dazu haben wir unter anderem 1998 mit dem „neXT day” ein großes highlight mit 2000 Jugendlichen veranstaltet (vgl. auch www.next-generation.de).
Beim aktuellen Projekt neXT vote - i vote geht es um eine Brücke zwischen Jugendlichen und Kommunalpolitiker-inne-n - das verbindende Medium ist das Internet. Es geht um eine Form der Bürger-innenbeteiligung bei kommunalen politischen Prozessen, die konkret, gleichberechtigt, partizipativ, flexibel und vor allem fetzig und zeitgemäß ist.
3. Die Aktion „neXT vote - i vote“ konkret
Die Aktion heißt aus 2 x 2 Gründen neXT vote - i vote:
- neXT vote, da es sich um die neueste Aktion im Rahmen des Zukunftsprojektes neXTgeneration® handelt,
- neXT vote, da es sich um die nächsten Wahlen handelt,
- i vote soll sagen, dass ich mich bei den nächsten Wahlen beteilige, also wähle,
- i vote steht für Internetwahlen, so wie iMac für InternetMac.
Der LJR organisiert in den vier Wochen vor der Wahl (13. August bis 7. September 2001) in 17 Orten landesweit Veranstaltungen. Dazu wird er mit attraktiv gestalteten Bussen, die uns vom Verein „N-21 - Schulen in Niedersachsen online e.V.” zur Verfügung gestellt werden, auf Tour gehen.
Als örtliche Veranstalter sind zahlreiche Jugendverbände, Jugendringe, Jugendinitiativen und Jugendzentren beteiligt. Dabei fiel die Auswahl insbesondere unter regionalen Gesichtspunkten: Der Tourverlauf berücksichtigt alle Regierungsbezirke und bedient sowohl größere als auch kleine Orte. Es sind jeweils kreisangehörige und -freie Städte dabei, so dass in den Talkshows auch Politiker-innen aus der Stadt und dem Landkreis zum Zuge kommen können.
An den Veranstaltungsorten wollen wir auf Marktplätzen, in Jugendzentren oder Bürger-innenzentren drei Programmelemente umsetzen:
Internetfähige Rechner werden in den Veranstaltungsorten zu einem Internetcafé aufgebaut und stehen den Jugendlichen zur Verfügung stehen. Es wird drei Inseln geben: eine für ungeübte Einsteiger-innen, eine für Fortgeschrittene sowie eine, die sich ausdrücklich und ausschließlich an Mädchen und junge Frauen wendet. Qualifiziertes Fachpersonal steht zur Beratung und Begleitung sowie Qualifizierung der Jugendlichen zur Verfügung. Die „Mädchenrechner” werden von Mitarbeiterinnen von Sprungbrett, dem Internet- und Bewerbungscoachingszentrum der Deutschen Angestelltenakademie Braunschweig, fachlich und persönlich begleitet. ?Ziel ist es, Erfahrungen mit dem Internet zu sammeln, zu surfen, zu chatten, zu mailen, zu spielen, homepages zu bauen etc.
„Internet angewandt” ist ein zweites Element und besteht aus diversen Modulen, von denen die örtlichen Veranstalter 1-2 auswählen können. Es sind dies Referate zu verschiedenen Themen und Diskussionen (Jugendarbeit und Internet, geschlechtsspezifische Zugänge zum Internet, Jugendgefährdungen im Netz), Diskussionsforen, bei denen sich örtliche Internet-Initiativen vorstellen und vernetzen können, Präsentationen von homepages, Schüler-innen zeigen ihren Lehrer-inne-n „ihr” Internet etc.
Abends wird eine Talkshow Begegnungen zwischen Jugendlichen und den Kandidierenden ermöglichen. Dabei sollen in jugendgemäßer Form Vorschläge und Forderungen der Jugendlichen eingebracht und die Politiker-innen dazu befragt werden. Schließlich wollen wir an den Rechnern Testwahlen via Internet simulieren. Sowohl während der Abendveranstaltung als auch schon vorher besteht die Möglichkeit, mit Hilfe der Software der Forschungsgruppe Wahlen, Prof. Dr. Dieter Otten, der Universität Osnabrück an Testwahlen teilzunehmen. Abends werden die Ergebnisse vor Ort im Rahmen der Veranstaltung bekannt gegeben.
Vorher und hinterher besteht die Möglichkeit, die Kandidierenden im Netz zu präsentieren, Fragen zu stellen oder auch bereits Debatten anzuregen. Dazu steht die Domain www.nextvote.de zur Verfügung.