2008

Alle vier Jahre werden vom Bundesamt für Statistik die Daten der Jugendhilfestatistik (Maßnahmenstatistik) vorgelegt. Die Zahlen für das Jahr 2008 wurden nun durch die Arbeitsstelle Kinder – und Jugendhilfestatistik (AKJstat) an der Uni Dortmund ausgewertet, für das Land Niedersachsen ist der Landesjugendring Niedersachsen zurzeit dabei, die Zahlen noch etwas genauer auszuwerten – die ersten Ergebnisse werden im Folgenden dargestellt.

Die vorliegenden Zahlen für das einzelne Jahr belegen die Vielfältigkeit und Leistungsfähigkeit der Jugendarbeit in Niedersachsen, insbesondere der freien Träger. Vergleicht man die Zahlen mit denen aus den vorherigen Jahren, so zeichnet sich ein erschreckendes Bild ab: Eine zurückgehende Förderung führt zu sinkenden Maßnahmezahlen und weniger Teilnehmer-inne-n, wie auf den nächsten Seiten dargelegt wird.

Im Erhebungsjahr 2008 meldeten die öffentlichen und freien Träger der Jugendhilfe in Niedersachsen 10.056 öffentlich geförderte Maßnahmen der „Kinder- und Jugenderholung”, der „außerschulischen Jugendbildung”, der „internationalen Jugendarbeit” und der „Mitarbeiterfortbildung” mit 284.332 Teilnehmer-inne-n. Diese alles in allem beachtliche Leistungsbilanz zeigt in Bezug auf die Verteilung zwischen öffentlichen und freien Trägern sowie innerhalb der Trägerspektren und bezüglich der Verteilung der Maßnahmearten insgesamt ein sehr differenziertes Bild.

Die Maßnahmen der „Kinder- und Jugenderholung”, der „außerschulischen Jugendbildung”, der „internationalen Jugendarbeit” und der „Mitarbeiter-innenfortbildung” verteilen sich zwischen den öffentlichen und freien Trägern ungefähr im Verhältnis 1:9. Konkreter: Im Jahr 2008 führten die öffentlichen Träger 933 (9,3%) und die freien Träger 9.123 (90,7%) geförderte Maßnahmen durch. Mehr als deutlich wird damit angezeigt, dass die freien Träger in den erfassten Maßnahmesegmenten weitaus stärker präsent sind als die öffentlichen Träger.

Bei den freien Trägern heben die meisten Maßnahmen bei den Jugendverbänden, Jugendgruppen, Jugendringen und Jugendinitiativen stattgefunden. Sie stellen damit nicht nur die mit Abstand größte Anbietergruppe innerhalb des freien Trägerspektrums dar, sondern führen sogar mit 61,5% insgesamt fast zwei Drittel aller von öffentlichen und freien Trägern gemeldeten Maßnahmen durch. Es folgen die Kirchen und Religionsgemeinschaften mit einem Anteil von 20% vor den sonstigen freien Trägern mit 5,4% und den Wohlfahrtsverbänden mit einem Anteil von 3,9%, jeweils bezogen auf die insgesamt durchgeführten Maßnahmen. Bei einem beträchtlichen Teil der den Kirchen und Religionsgemeinschaften zugerechneten Maßnahmen handelt es sich strukturbedingt um Maßnahmen der Evang. Jugend (AEJN) und der Kath. Jugend (BDKJ). Diese Maßnahmen sind der Trägergruppe der Jugendverbände zuzurechnen und erhöhen deren Anteil entsprechend.

4,7% aller Maßnahmen werden von den Jugendämtern und 4,2% von den Gemeinden ohne Jugendamt veranstaltet. Gänzlich ohne quantitative statistische Relevanz sind die vom Landesjugendamt bzw. Land verantworteten Maßnahmen. 

Mit insgesamt 5.075 Maßnahmen entfallen etwas mehr als die Hälfte aller erfassten Maßnahmen (50,5%) auf die „Kinder- und Jugenderholung”. In dem Maßnahmesegment „außerschulische Jugendbildung” inklusive der „Mitarbeiter-innenfortbildung” sind 45,2% aller Maßnahmen notiert; 4,3% sind als Veranstaltungen der „internationalen Jugendarbeit” deklariert. 511 der öffentlich geförderten und registrierten Maßnahmen der „Kinder- und Jugenderholung”, das entspricht 10,1%, führten die öffentlichen Träger durch, davon 228 Maßnahmen allein die örtlichen Jugendämter und 280 Maßnahmen die Gemeinden ohne Jugendamt. 89,9% aller statistisch erfassten Maßnahmen der „Kinder- und Jugenderholung” sind bei den freien Trägern registriert. Auch bei den „Bildungsmaßnahmen” dominieren mit 92,1% und bei der „internationalen Jugendarbeit“ mit 60,2% der notierten Veranstaltungen die freien Träger. Die quantitativen Relationen signalisieren damit deutlich, dass die freien Träger bei allen Maßnahmearten das Veranstaltungspotenzial der öffentlichen Träger weit übertreffen und die Jugendverbände, Jugendgruppen und -initiativen bei nahezu allen erfassten Maßnahmearten mehr als die Hälfte und bis zu zwei Drittel aller Fahrten, Projekte und Veranstaltungen durchführten. Eine Ausnahme bilden nur die „Internationalen Begegnungen”, bei denen der Anteil der Verbände bei lediglich 31,5% liegt. Daneben ist ebenso deutlich zu signalisieren, dass erholungs- und freizeitorientierte Maßnahmen das quantitativ größte Maßnahmesegment darstellen. 

An den insgesamt 10.056 erfassten, öffentlich geförderten Maßnahmen beteiligten sich 2008 insgesamt 284.332 Teilnehmer-innen. Davon konzentrieren sich 9,6% auf Maßnahmen der öffentlichen und 90,4% auf Maßnahmen der freien Träger.

Seit 1988 gab es starke Veränderungen in der Jugendhilfestatistik. Dies bezieht sich sowohl auf die Zahl der Maßnahmen und Teilnehmer-innen als auch auf die Verteilung auf die verschiedenen Maßnahmetypen und Trägergruppen.

Auffällig ist insbesondere der starke Anstieg des prozentualen Anteils der Bildungsmaßnahmen. Lag deren Anteil 1988 noch bei 19,6%, so beträgt er nun 45,2%. Die Anzahl der Maßnahmen ist in diesem Zeitraum von 3.503 auf 4.549 gestiegen. An dieser Stelle darf aber auch nicht verschwiegen werden, dass in den Jahren 1992 und 1996 diese Zahl zwischenzeitlich auf 5.648 bzw. 6.053 gestiegen war und es von 1996 bis 2000 zu einem dramatischen Einbruch um 30% kam. 

Der Anstieg an Bildungsmaßnahmen geht zu Lasten der Maßnahmen im Bereich der Kinder- und Jugenderholung und der Internationalen Jugendarbeit. Die Zahl der Erholungsmaßnahmen stieg von 10.063 im Jahr 1988 zunächst auf 10.873 (1992) an und ist nun auf 5.075 gesunken. Die Anzahl der Maßnahmen im Segment der Internationalen Jugendbegegnung ist von 1.471 (1988) um etwa 70% auf auf 432 gesunken.

Relativ geringe Schwankungen gab es hingegen, wenn man sich die Verteilung der Gesamtmaßnahmen auf die einzelnen Trägergruppen betrachtet. Der Anteil der freien Träger schwankte in den Erhebungen zwischen 85,9% (1988) und 90,5% (1992) und liegt zz. bei 90,7%.  Die stärkste Gruppe darin sind die Jugendverbände, deren Anteil zwischen 59,7% (1988) und aktuell 61,5% liegt.

Die Jugendhilfestatistik erfasst nur die Maßnahmen, die mit öffentlichen Mitteln bezuschusst werden. Daher lässt sich aus der Jugendhilfestatistik kein genereller Rückgang der Aktivitäten der Jugendarbeit ableiten. Festzustellen ist jedoch, dass immer weniger Maßnahmen von den Landkreisen und Städten gefördert werden.

Diese erschreckende Entwicklung hat der Landesjugendring zum Anlass genommen, die niedersächsische Fördersituation und das Aktivitätsspektrum der Jugendarbeit genauer zu analysieren. Mit detaillierteren Ergebnissen ist Ende 2010 zu rechnen.

Jugendhilfestatistik 08 Ländervergleich

  • Den Vergleich zwischen den Bundesländern hat die AKJstat im Auftrag der Landesjugendringe erstellt.

Korrespondenz 111

Die niedersachsenspezifische Auswertung der Jugendhilfestatistik 2008 aus der "korrespondenz" Nr. 111 mit den Grafiken (PDF)