2004

Alle vier Jahre werden vom Bundesamt für Statistik die Daten der Jugendhilfestatistik (Maßnahmenstatistik) vorgelegt. Die Zahlen für das Jahr 2004 wurden nun durch die Arbeitsstelle Kinder – und Jugendhilfestatistik (AKJstat) an der Uni Dortmund ausgewertet, für das Land Niedersachsen hat der Landesjugendring Niedersachsen die Zahlen noch einmal etwas genauer ausgewertet.

Die vorliegenden Zahlen für das einzelne Jahr belegen die Vielfältigkeit und Leistungsfähigkeit der Jugendarbeit in Niedersachsen, insbesondere der freien Träger. Vergleicht man die Zahlen mit denen aus den vorherigen Jahren, so zeichnet sich ein erschreckendes Bild ab: Eine zurückgehende Förderung führt zu sinkenden Maßnahmezahlen und weniger Teilnehmer-inne-n, wie auf den nächsten Seiten dargelegt wird.

Das Gesetz hält ausdrücklich fest, dass nur die „mit öffentlichen Mitteln geförderten Maßnahmen” (§ 99, Abs. 8 SGB Vlll) erhoben werden. Mit der Registrierung der öffentlich subventionierten Maßnahmen und Maßnahmearten der „Mitarbeiterbildung”, der „Jugenderholung”, der „Internationalen Jugendarbeit” und der „Jugendbildung” werden also längst nicht alle Angebote, Projekte und Maßnahmen erfasst, die die Jugendarbeit in Niedersachsen ausmachen. Diese Einschränkung bedeutet etwa auch, dass z.B. ein Projekt eines freien Trägers, das ohne öffentliche Mittel über Sponsoring, selbsterwirtschaftete Mittel oder aber über ehrenamtliches Engagement oder finanzielle Selbstbeteiligung der Teilnehmer-innen ermöglicht wurde, nicht registriert wird. Gerade und verstärkt in Zeiten haushaltsbedingter Engpässe hat dies zur Folge, dass eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Angeboten und Projekten nicht erfasst wird. Die realen Zahlen sind also höher anzusetzen, als es die Jugendhilfestatistik ausweist, insbesondere was den Bereich der freien Träger angeht.

„Keine Jugendarbeit ohne Jugendverbände” – dies ist eines der wesentlichen Ergebnisse der Jugendhilfestatistik: Im Jahr 2004 wurden in Niedersachsen insgesamt 11.370 Maßnahmen der Kinder- und Jugendarbeit (Freizeiten, Bildungsmaßnahmen und internationale Jugendbegegnungen) mit Hilfe von öffentlicher Förderung durchgeführt – etwa zwei Drittel der Maßnahmen wurden von Jugendverbänden durchgeführt. Die Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer lag bei 326.147. Diese Zahlen belegen die hohe Beliebtheit der verbandlichen Angebote und deren Bedeutung – sie sind die wesentliche Säule der nichtkommerziellen Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche in Niedersachsen. Und das auf einem gleichbleibenden Niveau: Im Vergleich zu den vorangegangenen Statistiken gab es kaum Verschiebungen.

Doch die Jugendhilfestatistik zeigt auch, dass sich die öffentliche Hand immer weiter aus der Förderung zurückzieht: Wurden 1992 noch 17.662 Maßnahmen von den Städten, Kreisen und dem Land Niedersachsen gefördert, so sind es 2004 etwa 35% weniger. Knapp 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer weniger als 1992 haben 2004 an den Maßnahmen teilnehmen können. Angesichts dieser dramatischen Entwicklung fordert der Landesjugendring alle öffentlichen Träger auf, dafür Sorge zu tragen, dass auch zukünftig die Finanzierung der Kinder- und Jugendarbeit sichergestellt und den tatsächlichen Bedarfen angepasst wird. Viele öffentliche Träger haben in den vergangenen Jahren Zuschüsse gekürzt und dort, wo sie erhalten geblieben sind, haben die Träger nun inflationsbedingt zumeist weniger Geld zur Verfügung. Eine Erhöhung der Zuschüsse für Freizeiten, Bildungsmaßnahmen und Internationale Jugendbegegnungen ist daher dringend notwendig.

Zwar sind mehr die Hälfte aller öffentlich geförderten Maßnahmen als „Kinder- und Jugenderholungen” registriert. Deren Anteil an den öffentlich geförderten Maßnahmen geht jedoch zurück, der Anteil der Bildungsmaßnahmen nimmt zu. Ursächlich dafür ist vor allem die zurückgehende Zahl der insgesamt geförderten Maßnahmen: Der Rückgang der Fördermittel führt dazu, dass die Träger einen Schwerpunkt bei der Verwendung der Mittel im Bereich der Bildungsmittel legen. Insbesondere für die Freizeit- und Erholungsmaßnahmen hat dies in der Praxis steigende Teilnahmekosten und damit verbunden eine verstärkte soziale Selektion zur Folge.

Die öffentlichen Aufwendungen für Maßnahmen sind zwar nominal seit 1992 kontinuierlich gestiegen. Doch leben heute mehr jungen Menschen in Niedersachsen, so dass  die Pro-Kopf-Förderung im Vergleich der Jahre 2000 und 2004 zurückgegangen ist. Berücksichtigt man ferner die Preissteigerung, gab es empfindliche Einschnitte für die Träger der Jugendarbeit.

Setzt man die öffentliche Aufwendungen für junge Menschen ins Verhältnis zu der Anzahl der zu fördernden Personen (alle junge Menschen von 8 bis 26 Jahren), ergibt sich für das Jahr 2004 ein Betrag von 27,25 €, den die öffentliche Hand pro Person im Jahr aufwendet. Wenn man die Inflationsrate nicht berücksichtigt, bedeutet dies im Vergleich zu 2000 einen leichten Rückgang um 0,42 €, inflationsbereinigt jedoch gab es einen Rückgang der Pro-Kopf-Förderung um 9%.

Für eine Zukunftsprognose gilt es, neben den statistischen Angaben auch die politischen Vorgaben und Entwicklungen zu betrachten. Mit dem Haushalt für das Jahr 2004 hat der Niedersächsische Landtag massive Einschnitte im Bereich der Jugendförderung auf Landesebene beschlossen:

  • Die Erstattungen von Verdienstausfall für ehrenamtlich in der Jugendarbeit engagierte wurden gestrichen.
  • Die Zuschüsse des Landes für Maßnahmen der Kinder- und Jugenderholung der Jugendverbände wurden ebenfalls komplett gestrichen.
  • Die Zuschüsse für bauliche Maßnahmen an verbandlichen Bildungsstätten wurden um 80% auf 50.000 Euro gekürzt.
  • Das SSG-Programm wurde eingestellt.
  • Parallel dazu haben auch viele Kommunen und Landkreise ihre Förderung massiv zurückgefahren.

Die Folgen dieser Kürzungen haben sich in der Maßnahmen-Statistik 2004 nur teilweise niedergeschlagen. Die Träger haben in 2004 versucht, die Fördermittel-Einbrüche zu kompensieren, und haben teilweise zusätzliche Mittel akquiriert oder Eigenmittel zugeschossen, da mit den Planungen vieler Maßnahmen zum Zeitpunkt der Haushaltsverabschiedung bereits begonnen worden war und Verträge abgeschlossen waren. Dauerhaft werden sich die zurückgehenden öffentlichen Mittel jedoch nicht kompensieren lassen, die fehlenden Gelder für die Erstattung des Verdienstausfalles werden dazu beitragen, dass weniger Jugendleiter-innen Maßnahmen betreuen können, und der Rückgang der Teilnehmer-innen an Freizeitmaßnahmen führt mittelfristig zu einem geringeren Teilnahme-Stamm für Bildungsmaßnahmen.

Mit der Jugendhilfestatistik 2008 wird sich dieser Trend – so steht zu befürchten – deutlicher fortsetzen, wenn nicht die Politik auf allen Ebenen kurzfristig „das Ruder rumreißt” und einen Schwerpunkt auf die Förderung der Jugendarbeit legt, um damit einen Beitrag zu einem gelingenden Aufwachsen junger Menschen zu leisten.

Jugendhilfestatistik 04 Ländervergleich

  • Den Vergleich zwischen den Bundesländern hat die AKJstat im Auftrag der Landesjugendringe erstellt.

Niedersachsenspez. Auswertung

  • Die niedersachsenspezifische Auswertung der Jugendhilfestatistik 2004 beleuchtet die Maßnahmen- und Trägerverteilung ebenso wie demografische und finanzielle Aspekte