Geh' Wege, die
noch niemand ging,
damit du Spuren hinterlässt und nicht nur Staub. (Saint-Exupéry)
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Abschließende Bilanz des Modellprojekts

und jugendpolitische Perspektive

Das Modellprojekt hat einmal mehr unter Beweis gestellt, dass die Jugendverbände in Niedersachsen in der Lage sind, mit geringen finanziellen Ressourcen beachtliche Ergebnisse zu erzielen. Das Projekt bot die Chance, in den drei Themenfeldern die Situation etwas genauer zu analysieren und exemplarisch neue Ansätze zu erproben.

Es wurde aber auch deutlich, dass Jugendverbände zwar mit ihren Angeboten einen wichtigen Beitrag zur vielfältigen Gestaltung von Ganztagsschulen und zur Integration von Benachteiligten und bildungsfernen Jugendlichen leisten können, dabei aber häufig auch an Grenzen stoßen. Diese Grenzen gilt es zu überwinden – nicht nur, um die Arbeitssituation der Jugendverbände zu verbessern und langfristige Strukturen entwickeln zu können – sondern vor allem auch im Interesse der Kinder und Jugendlichen, die von diesen Grenzen  mindestens ebenso stark betroffen sind.

Grenze 1: Soziale Benachteiligungen schränken Bildungschancen ein

Die Zugänge zu formeller, informeller und nonformaler Bildung sind abhängig vom Einkommensniveau der Familie. Die Schule als die zentrale Einrichtung der formalen Bildung führt häufig zu einer Selektion der Jugendlichen aufgrund des Geldbeutels. Die frühzeitige Verteilung der Schüler-innen auf die einzelnen Schulzweige hat dabei auch Auswirkungen auf die außerschulischen Bildungschancen. Freundeskreise von Jugendlichen entwickeln sich vor allem entlang der Klassengemeinschaft, diese wiederum sind ein zentrales Motiv für die Mitgliedschaft in einem Jugendverband und die Art des Freizeitverhaltens im Allgemeinen.

Die Integration von benachteiligten Jugendlichen scheitert also oftmals bereits in der Schule und schreibt sich dann in den außerschulischen Angeboten fort. Wird Integration tatsächlich politisch gewollt, muss deshalb vor allem die Integration in der Schule erleichtert werden.

Grenze 2: Politischer Anspruch und Realität klaffen auseinander

Immer wieder gelangen die Akteure der Jugendverbände zu der Erkenntnis, dass die formulierten politischen Ziele mit den strukturellen Begebenheiten nicht oder nur sehr schwierig zu erreichen sind. Dies gilt für die Ausstattung von Ganztagsschulen ebenso wie für die Integration von Benachteiligten (z.B. tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern, gleiche Bildungschancen,...).
Die Mitarbeitenden in den Projekten sehen sich daher immer wieder im Dilemma zwischen politischem Wunsch auf der einen und politischer und gesellschaftlicher Realität auf der anderen Seite.

Grenze 3: Kooperation von Ehren- und Hauptamtlichen

Nicht zuletzt durch die engere Vernetzung der jeweils regional tätigen Bildungsträger – sei es über die Ganztagsschule oder durch die Entwicklung lokaler Bildungslandschaften –  steigen auch die Kooperationsanfragen und -forderungen an Jugendverbände. Oftmals sind die Jugendverbände die einzigen Akteure, die fast ausschließlich mit Ehrenamtlichen arbeiten, während alle anderen Träger mit hauptamtlichen Strukturen ausgestattet sind. Auch wenn die Kompetenzen und Methoden der Jugendverbände für die Jugendbildung anerkannt sind und als wesentlicher Bestandteil regionaler Bildungslandschaften anzusehen sind, erschwert der strukturelle Unterschied die Mitwirkung von Jugendverbänden als gleichberechtigte Partner ganz erheblich.

Damit Jugendverbände diesen Anforderungen gerecht werden können, bedarf es einer besseren personellen und finanziellen Ausstattung – Kooperation „auf Augenhöhe” bedeutet auch eine gleichwertige Verfügbarkeit von Ressourcen.

Grenze 4: Kurzfristige Projekte statt langfristiger Perspektive

Im Rahmen des Modellprojektes wurden neue Bausteine und Handreichungen für die Jugendverbandsarbeit entwickelt, die nun in die Arbeit der Jugendverbände einfließen können. Diese erleichtern die Implementierung der Themen in die Arbeit der Verbände, gewährleisten aber nicht die dauerhafte Verankerung. Viele dieser Projekte waren nur durchführbar, weil dafür zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung standen. Dass jedoch ein kontinuierlicher Bedarf besteht, um z.B. Teamer-innen zu qualifizieren oder benachteiligte Jugendliche für ein verbandliches Engagement zu aktivieren, wird in den Berichten der einzelnen Säulen deutlich.

Notwendig ist daher eine langfristige Perspektive für die konzeptionelle Weiterentwicklung der Jugendverbandsarbeit im Kontext der niedersächsischen und regionalen Bildungslandschaften, die sich an den Interessen von Kindern und Jugendlichen orientiert.

Die Jugendverbände im Landesjugendring Niedersachsen e.V. haben daher das Projekt „neXT2020” auf den Weg gebracht, dessen Ziel es ist, eine längerfristige Perspektive für die Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen in Niedersachsen zu entwickeln und daraus die Konsequenzen für die Jugend(verbands)arbeit und politische Forderungen zu formulieren. In welchem Maße das Projekt gesellschaftlich wirken kann, wird vor allem auch davon abhängen, wie es politisch begleitet und befördert wird.

Abschließend lässt sich daher festhalten, dass im Rahmen des Modellprojektes drei zentrale Themenfelder der Jugendverbandsarbeit genauer betrachtet werden konnten, die in Zukunft an Bedeutung weiter gewinnen werden und die eine fachliche und politische Diskussion erforderlich machen.