Geh' Wege, die
noch niemand ging,
damit du Spuren hinterlässt und nicht nur Staub. (Saint-Exupéry)
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PROjugendringe: zukunftssicher und innovativ

1. Zielgruppe

Das Projekt „PROjugendringe – zukunftssicher und innovativ“ richtet sich in erster Linie an die Vorstände der kommunalen Jugendringe, die in ihrem ehrenamtlichen Engagement einer besonderen Unterstützung bedürfen, und deren hauptamtliche Mitarbeiter-innen. Diese Personen sollen durch dieses Projekt in ihren Bemühungen unterstützt werden, junge Menschen, die durch Jugendarbeit bisher nicht erreicht wurden, oder solche, die bisher noch nicht in ausreichendem Maße gefördert werden konnten, in die Jugendarbeit einzubinden. Ferner richtet es sich an junge Menschen, die in ihrem ehrenamtlichen Engagement zusätzlicher Unterstützung bedürfen.

Ausstellung "Räume" des Landesjugendring Niedersachsen

2. Analyse der Situation

In Niedersachsen gibt es zz. etwa 220 Kreis-, Stadt-, Gemeinde- und Samtgemeindejugendringe. Die meisten dieser Jugendringe arbeiten auf rein ehrenamtlicher Basis ohne hauptamtliche Mitarbeiter-innen. Sie unterscheiden sich in Organisationsstruktur und inhaltlicher Ausgestaltung der Aufgaben eines Jugendrings teilweise sehr stark. Dennoch haben viele Jugendringe mit ähnlichen Problemen zu kämpfen:

Die potenziellen Vorstandsmitglieder der Jugendringe wenden bereits für die Arbeit in ihrer eigenen Jugendgruppe viel Zeit und Kraft auf. Daher sind nur selten Leute bereit, sich in den Vorstand eines kommunalen Jugendrings wählen zu lassen.

Die Verweildauer der Jugendring-Vorstandsmitglieder im Vorstand verkürzt sich zunehmend. Dies hängt zum einen mit der schwindenden Bereitschaft Jugendlicher zusammen, sich längerfristig an einen Träger mit ihrem Engagement zu binden, wie auch das Freiwilligen-Survey 1999 ergeben hat, zum anderen aber auch mit gewandelten gesellschaftlichen Anforderungen an Jugendliche. So sind Jugendliche, insbesondere im ländlichen Raum, heute oftmals gezwungen, für Ausbildung, Studium oder Beruf ihren Wohnort zu wechseln oder lange tägliche Fahrzeiten in Kauf zu nehmen, was wiederum die Freizeit verkürzt. Dies hat zur Folge, dass die Kontinuität in der Arbeit des Jugendrings nur schwer zu gewährleisten ist, die nicht nur für eine gute Vereinsarbeit notwendig ist, sondern auch seitens der Politik und anderer Zuschussgeber-innen erwartet wird.

Die häufig dünne Personaldecke der Jugendringe trägt entscheidend dazu bei, dass strukturelle Veränderungen sowie das Einstellen auf neue Anforderungen an die Jugendarbeit und die aktuellen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in der Arbeit der kommunalen Jugendringe nur selten möglich sind. Daher sind sie oftmals auf Impulse von außen angewiesen, um zukunftsweisende Veränderungen anzugehen.

Insbesondere das (jugend-)politische Mandat ist in vielen Jugendringen nur schwach ausgeprägt. Dies betrifft sowohl die jugendpolitische Interessenvertretung in Jugendhilfeausschüssen und anderen kommunalpolitischen Gremien als auch das öffentliche Eintreten für die Interessen von Kindern und Jugendlichen, z.B. in Form von Beteiligungsprojekten. Bislang sind Jugendringe nur selten als Träger von Beteiligungsprojekten (in Anlehnung an § 22e NGO) in Erscheinung getreten oder wirken vor allem innerverbandlich. Die Beteiligung von Jugendlichen, nicht nur an den innerverbandlichen Entscheidungsprozessen, sollte jedoch elementarer Arbeitsbestandteil der Arbeit von Jugendringen sein. Diese Situation beruht auf Gegenseitigkeit: Jugendringe haben zz. oftmals nicht die Ressourcen, um solche Projekte qualifiziert zu betreuen, auf der anderen Seite werden Jugendringe als potenzieller Träger auch in nahezu allen Fach-Publikationen zur Partizipation nicht genannt.

Die Bedeutung der Jugendringe ist vielen Personen, oftmals auch den Akteurinnen und Akteuren der Mitgliedsgruppen, nicht bewusst, der Nutzen für die eigene Arbeit wird nicht gesehen. Die oftmals unklare Funktion von Jugendringen führt dazu, dass Leistungen des Jugendrings oftmals nicht abgerufen werden und Bedeutung und Möglichkeiten eines Jugendrings unterschätzt werden.

Neugewonnene Vorstandsmitglieder können oftmals nicht richtig eingearbeitet werden, sondern werden „ins kalte Wasser gestoßen“, was zu einer schnellen Überforderung führt und die Qualität der Jugendringarbeit gefährdet.

Einige Jugendringe existieren zurzeit nur auf dem Papier, es gibt jedoch keinen aktiven Vorstand und keine Vereinstätigkeit.

In vielen Jugendring-Vorständen überwiegt der Anteil der männlichen Vorstandsmitglieder deutlich. Eine geschlechtsparitätische Vorstandsbesetzung ist oftmals nicht gewährleistet.

Jugendringe sind auch ein Schmelztiegel für Jugendliche und Engagierte aus unterschiedlichen sozialen Milieus und Bildungsschichten: Die unterschiedlichen Mitgliederstrukturen der einzelnen Mitgliedsgruppen treffen in den Jugendringen aufeinander. Dies schlägt sich auch in der Besetzung der Jugendring-Vorstände nieder.

3. Problemstellung und Aufgabe

Vor diesem Hintergrund gilt es, die Vorstandsmitglieder der Jugendringe auf diese veränderten Anforderungen vorzubereiten, die Jugendringe für neue Projekt- und Arbeitsformen zu öffnen und die Bedeutung der Jugendringe in der Öffentlichkeit zu stärken sowie Impulse für die Modernisierung der Arbeit der Jugendringe zu geben, die auch neue Zielgruppen der Arbeit der Jugendringe mit in den Blick nehmen. Hier bedarf es innovativer und neuer Herangehensweisen, althergebrachte Konzepte reichen zukünftig nicht mehr aus.

4. Ziele

Mit dem Projekt „Jugendringe – zukunftssicher und innovativ“ sollen folgende Ziele erreicht werden:

  • Die Vernetzung zwischen den Jugendringen soll verbessert werden, um ähnliche Problemlagen gemeinsam und partnerschaftlich zu verbessern und Synergieeffekte nutzen zu können.
  • Die Vorstandsmitglieder der kommunalen Jugendringe sollen Perspektiven für neue Formen der Jugendringarbeit aufgezeigt bekommen und der Prozess der Neuausrichtung soll durch Hilfestellungen und Evaluation begleitet werden.
  • Die Qualifizierung der (ehrenamtlichen) Mitarbeiter-innen der Jugendringe für die neuen Tätigkeitsbereiche der kommunalen Jugendringe.
  • Die Gewinnung neuer Ehrenamtlicher für die Arbeit des Jugendrings stellt eine zentrale Herausforderung zur Sicherung der Qualität der Jugendringe dar. Dieser Prozess soll durch dieses Projekt gefördert und fachlich begleitet werden.
  • Jugendringe können einen wesentlichen Beitrag zur Qualitätssicherung und Vernetzung der Jugendarbeit auf kommunaler Ebene leisten. Hier gilt es, die Jugendring-Vertreter-innen für diese Thematiken zu sensibilisieren und ihnen Hilfestellungen für diese Prozesse an die Hand zu geben. Insbesondere im Hinblick auf die Vernetzung der Jugendarbeit auf kommunaler Ebene gilt es auch, den Blick der Jugendringe für unterschiedliche soziale Schichten zu schärfen.
  • Auch bei anderen aktuellen Themen der Jugendarbeit kommt den Jugendringen eine wichtige Mittlerfunktion vor Ort zu, wie z.B. bei der Verankerung von Gender-Aspekten in der Tätigkeit der Jugendgruppen und in den Jugendringen selber.
  • Neuen Vorstandsmitgliedern von kommunalen Jugendringen soll der Start in ihre ehrenamtliche Tätigkeit durch spezielle, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Angebote erleichtert werden – diese sollen nachhaltig zu ihrer Qualifizierung beitragen.
  • Maßnahmen zur bedarfsorientierten Angebotsentwicklung und Qualitätssicherung der Jugendringe sollen unterstützt werden.
  • Die besondere Situation von Frauen in Jugendring-Vorständen zu berücksichtigen und Maßnahmen zu ergreifen, die eine geschlechtsparitätische Besetzung der Vorstände befördern.
  • Die Strukturbedingungen für die Tätigkeit von Jugendringen sollen überprüft, den Erfordernissen angepasst und optimiert werden.
  • Modelle zur veränderten Wahrnehmung der Rolle von Jugendringen als Moderations- und „Raumausstattungs”-Ebene sollten entwickelt werden.

5. Methoden zur Zielerreichung, Zeitplanung

Das Projekt „Jugendringe – zukunftssicher und innovativ“ hat eine Laufzeit von 18 Monaten, von Januar 2003 bis Juni 2004. Die Zeiträume der einzelnen Teilprojekte können dabei von der Gesamtlaufzeit des Projekts abweichen. Das Projekt besteht aus folgenden Teilbereichen:

5.1. „Update“ – Die neue Version der Jugendringe

Gemeinsam mit den Betroffenen aus den kommunalen Jugendringen gilt es, die Vision des zukunftsorientierten Jugendrings in einer Arbeitsgruppe weiterzuentwickeln. Auf der Agenda der Arbeitsgruppe sollen u.a. folgende Themen stehen:

  • Beteiligungsprojekte (gem. § 22e NGO) als Aufgabenfeld von Jugendringen
  • Gewinnung neuer ehrenamtlicher Mitarbeiter-innen (auch außerhalb der Verbandsstrukturen)
  • Entwicklung von Strukturmodellen zeitgemäßer Jugendringarbeit
  • Einbeziehung von nicht organisierten Jugendgruppen in die Arbeit der Jugendringe
  • Erwartungen der Mitgliedsgruppen an die Arbeit der kommunalen Jugendringe
  • Vernetzungsaufgabe der Jugendringe – zu verschiedenen Lobby-Gruppen
  • Frauen in Jugendring-Vorständen

Die neue Version der Jugendringarbeit soll dann auf einer Zukunftskonferenz der Jugendringe präsentiert und diskutiert werden. Workshops sollen in die einzelnen Bestandteile der Neukonzeptionierung einführen, bereits bestehende Bausteine einzelner Jugendringe präsentiert werden und die Möglichkeit zum gegenseitigen Kennenlernen und zur Vernetzung gegeben werden.

Darüber hinaus sollen die Ergebnisse der Arbeitsgruppe verschriftlicht und den Jugendringen als Arbeitshilfe und Impulsgeber in Ergänzung zu den bestehenden Arbeitshilfen (als „Update“) zur Verfügung gestellt werden.

5.2. Seminar für Neu-Einsteiger-innen

Dieses Seminar soll Neu-Einsteiger-innen fit machen für die Arbeit im Vorstand des kommunalen Jugendrings. Es ersetzt keine Jugendleiter-innen-Ausbildung, sondern soll die dort erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten vertiefen und spezielle Aspekte aufgreifen, die für die Arbeit in Jugendringen von besonderer Bedeutung sind. Ferner leisten sie einen Beitrag zur Vernetzung der kommunalen Jugendringe, schaffen persönliche Beziehungen zwischen den Teilnehmer-inne-n der einzelnen Jugendringe und tragen erheblich zur Qualitätssicherung der Jugendringarbeit bei.

Die Konzeptionierung und Durchführung der Seminare soll in enger Kooperation mit kommunalen Jugendringen erfolgen, die mit eigenen Leistungen an den Seminaren beteiligt sein werden.

5.3. Seminar für Jugendring-Vorstände

Auch „alte Hasen“ in den Vorständen der Jugendringe bedürfen regelmäßig neuer Impulse für ihre Arbeit, Anregungen für neue Vorhaben und der Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch. Dazu soll dieses Seminar dienen. Es trägt damit dazu bei, zukünftige Entwicklungen der Jugend(ring)arbeit schnell und fundiert an die Basis zu transportieren und dadurch zukünftig zu einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der Jugendringe beizutragen.

Die Konzeptionierung und Durchführung der Seminare soll in enger Kooperation mit kommunalen Jugendringen erfolgen, die mit eigenen Leistungen an den Seminaren beteiligt sein werden.

5.4. Bedeutung der Jugendringe stärken

Um die unter 2. skizzierte, oftmals unterschätze Bedeutung der Jugendringe zu stärken, gilt es, die Arbeit der Jugendringe und ihre Funktion besser nach außen zu transportieren. Dazu soll ein Info-Folder erstellt werden, der allgemein die Aufgaben von kommunalen Jugendringen darstellt und, von den einzelnen Jugendringen ggf. um eine Selbstdarstellung ergänzt, zur Image-Werbung genutzt werden kann. Diese Image-Werbung kann maßgeblich dazu beitragen, dass Mitgliedsgruppen ihr Engagement im Jugendring verstärken, eigene Gruppenleiter-innen zur Mitarbeit motivieren und die Leistungen der Jugendringe verstärkt in Anspruch nehmen.

5.5. Projekthafte Weiterentwicklung unterstützen

Die Weiterentwicklung kommunaler Jugendringe soll im Rahmen dieses Projektes in zwei oder drei Jugendringen beispielhaft begleitet und unterstützt werden. Diese Weiterentwicklung findet parallel und in enger Abstimmung zu der Arbeit der Arbeitsgruppe statt.

Für die beispielhafte Weiterentwicklung stehen im Rahmen dieses Projektes finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung, die vorrangig für die Evaluation dieser Vorhaben, konkrete Maßnahmen der Jugendringe in diesem Prozess und die Durchführung von Workshops oder Seminaren genutzt werden sollen.

6. Ressourcen

Personell soll dieses Projekt weitestgehend mit dem vorhandenen Personal realisiert werden, lediglich für einzelne Aktionen bzw. in der Vorbereitung der Publikationen soll das Team durch Honorarkräfte verstärkt werden. Die notwendigen finanziellen Ressourcen sowie die Eigenleistungen sind dem beigefügten Kosten- und Finanzierungsplan zu entnehmen.

7. Wer / Welche Institution ist mit welchen Ressourcen, Aufgaben und Zuständigkeiten beteiligt?

Der Landesjugendring Niedersachsen e.V. koordiniert diese Kampagne über seine Geschäftsstelle.

Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertreter-inne-n der Jugendringe, also der „Betroffenen“, der Jugendverbände und des Landesjugendring-Vorstandes begleitet dieses Projekt maßgeblich. In dieser Arbeitsgruppe sollen, an den Bedürfnissen der Betroffenen orientiert, die einzelnen Projektteile weiterentwickelt und durchgeführt werden. Da in dieser Arbeitsgruppe fast ausschließlich Ehrenamtliche sitzen werden, sollten die entstehenden Fahrtkosten erstattet werden. Die Kontinuität in dieser Arbeitsgruppe ist wichtig, um die komplexen Zusammenhänge der Thematik umfassend berücksichtigen zu können. Dennoch soll es zu Beginn neuer Arbeitsschritte möglich sein, neu in diese Arbeitsgruppe einzusteigen.

8. Reflexion / Evaluation

Die Evaluation des Projektes ist als Bestandteil fest verankert, soll doch durch dieses Projekt die Qualität der Jugendringarbeit nachhaltig verbessert werden. Aus diesem Grund werden sowohl die Modellprojekte in den Jugendringen als auch das Gesamtprogramm evaluiert.

Das Gesamtprogramm soll durch eine schriftliche Befragung der Jugendringe evaluiert werden. Dieser Erhebung soll in Anlehnung an die Jugendring-Befragung des Landesjugendrings (1992) und die Erhebung des Deutschen Jugendinstituts (Erscheinungstermin: Ende 2002) durchgeführt werden und um projektspezifische Fragen ergänzt werden.

9. Grenzen

Der Landesjugendring Niedersachsen e.V. kann mit diesem Projekt nicht die Situation jedes einzelnen Jugendrings erfassen, bewerten und einzelfallorientierte Handlungsempfehlungen entwickeln. Dies ist nur in Einzelfällen (5.5.) möglich. Die Ergebnisse der Einzelvorhaben sollen schließlich in allgemeinen Empfehlungen münden.

10. Perspektiven

Auch nach Ende dieses Projekts wird der Landesjugendring Niedersachsen die Arbeit der kommunalen Jugendringe weiter unterstützen. So sollen beispielsweise die Seminare für Neu-Einsteiger-innen und „alte Hasen“ auch nach Beendigung des Projektzeitraums angeboten werden. Die positiven Auswirkungen z.B. in Hinblick auf Bekanntheit und Bedeutung der Jugendringe wird nachhaltig auch über den Projektzeitraum hinaus Wirkung zeigen, selbiges gilt für die angestoßene Neukonzeptionierung der Jugendringarbeit.