Die Dinge sind nie das was sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht.*
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Fachtag: Jugendarbeit21: politisch • partizipativ • online

Partizipation & politische Bildung: Chancen online

Kinder und Jugendliche sind Expertinnen und Experten in eigener Sache: Niemand kennt ihre Bedürfnisse besser, niemand weiß besser, wie Städte kinder- und jugendfreundlicher gestaltet werden können. Auftrag der Jugendarbeit ist es seit jeher, sich parteilich für Kinder und Jugendliche einzusetzen, deren Interessen und Forderungen eine Stimme zu verleihen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich selber einzubringen und mitentscheiden zu können, wenn es um ihre Interessen geht. Dafür braucht es altersgerechte Methoden, die sich an den Lebenswelten von jungen Menschen orientieren. Diese Beteiligung junger Menschen ist integraler Bestandteil des Bildungsauftrags der Jugendarbeit: Kinder und Jugendliche sollen dazu befähigt werden, sich kritisch mit ihrer Situation und mit der Gesellschaft auseinanderzusetzen, sich aktiv für die eigenen Interessen einzusetzen und sich zu engagieren – im Interesse einer demokratisch legitimierten und von vielen gestalteten Bürgergesellschaft.

Bildung 2.0: selber machen!

Internetbasierte Medien und das sogenannte „Web 2.0” haben in den vergangenen Jahren massiv Einzug in die Lebenswelten junger Menschen gefunden – vom Kindesalter an, lernen Kinder und Jugendliche heute durch den Einsatz von Medien. Digitale Medien bieten dabei andere, ergänzende Lernformen und -möglichkeiten, sie bieten somit Chancen für eine neue, lustvolle, kreative und abwechslungsreiche Bildung 2.0 – und dies hat auch Auswirkungen auf die Beteiligung. Das Web 2.0 bietet jeder Userin und jedem User die Möglichkeit, nicht nur Konsument-in, sondern auch Produzent-in zu sein: Lag früher die Publikationshoheit bei einigen wenigen Verlagen und die Deutungshoheit bei Politiker-inne-n und Journalist-inn-en, so kann heute jede-r selber publizieren und dadurch auch politisch und gesellschaftlich agieren, ohne dafür größere Investitionen tätigen zu müssen. Aufgabe der Jugendarbeit ist es, junge Menschen dabei zu unterstützen, diese neuen Chancen zu nutzen und die Zukunft selber in die Hand zu nehmen.

Fachtag Jugendarbeit 21

Vor diesem Hintergrund fand am 30.01.2012 der Fachtag „Jugendarbeit 21: politisch • partizipativ • online” zum Abschluss der neXTvote-Aktion zur niedersächsischen Kommunalwahl statt. Zum Auftakt des Fachtages umriss LJR-Geschäftsführer Hans Schwab mit seinem Impuls „Die Zeit ist reif für ein neues Denken und Handeln!” die Denk-Aufforderung des Tages. Anschließend referierte Sebastian Kauer (Bundeszentrale für politische Bildung) über „Gesellschaftliche Beteiligung im Internet – Herausforderungen für Bildungsinstitutionen” (PDF, 4,8 MB) und machte an verschiedenen Beispielen deutlich, welche Chancen die neue Kultur der Mediennutzung für die politische Bildung bietet.

Christian Geiger von der Zeppelin Universität Friedrichshafen stellte anschließend in seinem Referat den Denkansatz von Open Data und Open Government dar: offene, frei zugängliche und digital weiterverarbeitbare Informationen sind die Basis für mehr Beteiligung. Auf dieser Basis konnten z.B. Bürgerhaushalte oder regionale Ideen-Management-Portale verwirklicht werden.

Den Transfer in den Bereich der Jugendarbeit stellte dann Björn Bertram (Landesjugendring Niedersachsen e.V.) her, indem er die Prüfsteine für eine gute Kinder- und Jugendbeteiligung in Erinnerung rief und diese mit Blick auf ePartizipation weiterentwickelte. Birte Frische (ABC Hüll) stellte als Praxisbeispiel deren Projekt „Netz B” vor – ein guter Einstieg in die gemeinsame Projektwerkstatt: Denn am Nachmittag waren die rund 60 Teilnehmenden des Fachtags gefragt, in Kleingruppen Beteiligungskampagnen für verschiedene Szenarien zu entwickeln.

Online und offline verschmelzen

Auch bei der Ergebnispräsentation wurde deutlich: Partizipation in der Kinder und Jugendarbeit sollte heute methodisch breit angelegt sein: Neben „Offline”-Methoden sollten Beteiligungskampagnen heute auch um internetbasierte Methoden erweitert werden – dadurch können u.a. neue Zielgruppen erreicht und Prozesse transparenter gestaltet werden. Die politische Bildung und die politische Partizipation in der Jugendarbeit können durch den Einsatz internetbasierter Medien gestärkt werden: Durch spaßorientierte Medien, durch eine stärkere Dynamik im Prozess und mehr Meinungsvielfalt. Jugendarbeit hat, wenn sie über die notwendigen Ressourcen verfügt, die Chance, neue Bildungswege zu beschreiten, Medienkompetenzen von Jugendlichen aktiv zu nutzen und zu stärken und Lust auf gesellschaftliche Diskussionen zu machen.