[1] Beteiligung und Interessenvertretung
Wer will, dass sich Kinder und Jugendliche für Politik interes-sieren, muss ihnen Gelegenheit geben, zu erfahren, wie Politik funktioniert - und wo sie selber dabei vorkommen. Junge Menschen müssen mitbestimmen können: in der
Familie, in der Schule, am Ausbildungsplatz, bei der Gestaltung von Jugend- und Freizeiteinrichtungen usw. Ihre Vorstellungen und Ideen sollten sich dort wiederfinden. Beteiligung muss Spaß machen. Darum müssen die Formen und Methoden den Kindern und Jugendlichen entsprechen. Davon kann auch die Politik profitieren. Wie das geht? Die Jugendverbände können dafür viele Beispiele liefern.
[2] Arbeit
Alle Jugendlichen haben einen Anspruch auf eine Ausbildung in einem zukunftsfähigen Beruf und auf einen Arbeitsplatz. Die Sorge dafür kann nicht allein den jungen Menschen aufgedrückt werden. Politik und Wirtschaft stehen hier in der Pflicht und müssen für entsprechende Rahmenbedingungen sorgen. Allerdings ist Erwerbsarbeit und Geldverdienen nicht alles. Im Leben muss auch Raum für Partnerschaft, ehrenamtliches Engagement und andere Interessen sein.
[3] Bildung
Wir müssen uns die Frage stellen, welche Fertigkeiten und Fähigkeiten die (Hoch-) Schule der Zukunft vermitteln soll. Neben reinem Faktenwissen wird es verstärkt auf Problemlösungskompetenz und Kommunikationsfähigkeiten ankommen. Die Organisation von Schule und die Gestaltung des Schulalltags wird sich diesen Herausforderungen der Zukunft anzupassen haben. Wie können Schulen zu Orten des Lernens für alle werden, in denen auch die Schüler und Schülerinnen über Lerninhalte und Lernmethoden mitbestimmen können? Die Schule endet nicht mit den Zeugnis; die Hochschule nicht mit dem Diplom, denn einmal erlerntes Wissen veraltet schnell. Wir brauchen lebenslanges Lernen.
[4] Gleichberechtigung
Auf dem Papier haben Mädchen und Jungen, junge Frauen und Männer die gleichen Rechte. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Noch immer haben Frauen die schlechteren Aufstiegschancen, noch immer wird nicht Politik zur Hälfte von Frauen gemacht, noch immer ist im privaten Bereich die Teilung der Hausarbeit nicht selbstverständlich. Jugendverbände setzen sich für ein gleichberechtigtes Miteinander von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen ein - ein Prüfstein für eine demokratische, zukunftsfähige Gesellschaft.
[5] Umwelt
Mit unserer Umwelt stehen wir noch lange nicht im Einklang: Umweltverschmutzung, Ressourcenvergeudung, ungelöste Fragen wie Endlagerung usw. belasten gerade die nächsten Generationen. Eine »intakte« Umwelt, Mobilität, ganzheitliche und nachhaltige Entscheidungen sowie eine gesunde Lebensgestaltung gehören zu den Essentials einer zukunftsfähigen Umweltpolitik. Darüber wird bisher noch mehr geredet als gehandelt.
[6] Kommunikation und Vernetzung
Wir leben in einer Informationsgesellschaft. Weltweiter Datentransfer und die Verfügbarkeit von Informationen in kaum zu kontrollierenden Datennetzen bestimmen zunehmend unsere Kommunikation. Die neuen Kommunikationswege eröffnen unzählige neue Möglichkeiten: sie verändern Arbeitsplätze, Berufsbilder, Lebenswege. Damit gewinnen gleichberechtigte Zugangsmöglichkeiten - auch für Kinder und Jugendliche - zu den Informationsdiensten und die Befähigung zum kompetenten Umgang mit diesen Medien an Bedeutung. Zugänge zu Datennetzen und eigene Netzwerke müssen auch in der Jugendarbeit verwirklicht werden. Dazu braucht es die Technik, das Know-how und das Interesse an Vernetzung.
[7] Gremienkultur
Die meisten Entscheidungen werden - zumindest formal - in Gremien getroffen. Oftmals wird jungen Menschen von Erwachsenen der Zugang zu Gremien erschwert oder unmöglich gemacht. Allerdings haben auch junge Leute häufig keine Lust, dort mitzuarbeiten, weil Gremien als langweilig, formalistisch und verkrustet gelten und häufig genug auch sind. Es gibt aber auch andere, lebendigere und interessantere Arbeitsformen für Gremien. Wenn man sich darauf verständigt, haben Erwachsene und junge Leute gleichermaßen etwas davon.
So kann Demokratie Spass machen, ohne dass die Inhalte darunter leiden.