
Auf der Vollversammlung 2003 beschäftigten sich die Delegierten ausführlich mit dem Thema "Gender Mainstreaming" und fasste folgenden Beschluss:
"Die Vollversammlung des Landesjugendringes beauftragt eine Arbeitsgruppe „Gender Mainstreaming“, das Prinzip des „Gender Mainstreamings” aus emanzipatorischer und jugendpolitischer Sicht kritisch zu würdigen und Möglichkeiten zu seiner Umsetzung in der Jugendverbandsarbeit zu erarbeiten. Die Arbeitsgruppe „Gender Mainstreaming“ erarbeitet und schlägt Richtlinien vor, die für eine Selbstverpflichtung der Jugendverbände und des Landesjugendringes auf das Prinzip des „Gender Mainstreamings” geeignet sind. Außerdem entwickelt sie Arbeitshilfen, mit denen ein „Gender Mainstreaming”-Prozess im Landesjugendring und in den Jugendverbänden vorbereitet, durchgeführt und evaluiert werden kann."
Damit teilt der Landesjugendring die die auf den Weltfrauenkonferenzen formulierte Erkenntnis der internationalen Frauenbewegungen, dass eine umfassend selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe beider Geschlechter in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur noch nicht verwirklicht ist. Das Engagement in der geschlechtsbezogenen Jugendarbeit, den Emanzipationsbewegungen und der institutionalisierten Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen ist erfolgreich, kann allein aber die geschlechtsbezogenen strukturellen Ungleichheiten nicht beseitigen.
Das Prinzip des „Gender Mainstreamings” bietet ergänzend zu dem bereits erprobten Engagement neue Impulse für die Verwirklichung tatsächlicher Gleichberechtigung. Unterstützt wird die Umsetzung eines „Gender Mainstreaming”-Prozesses durch UNO, Europäische Union und die Bundesregierung. Da AEJ, BDKJ und ver.di das Prinzip des „Gender Mainstreamings” bereits auf Bundesebene verankert haben, kann auf ihre Erfahrungen zurückgegriffen werden. Die Impulse, die „Gender Mainstreaming” bietet, und die Unterstützung, die für die Umsetzung eines solchen Prozesses zur Verfügung stehen, sollen für den Landesjugendring und seine Mitgliedsverbände fruchtbar gemacht werden. Zur Verwirklichung des Ziels umfassender Geschlechtergerechtigkeit ist es auch für die Jugendverbände notwendig, vielfältige Wege zu gehen.
Da zur Umsetzung des „Gender Mainstreaming”-Prinzips nicht die eine Methode existiert, müssen das Prinzip und seine Strategien kritisch gewürdigt werden. Ähnlich wie bei der Qualitätsentwicklung erfordert die Vielfalt der Jugendverbände auch im Bereich des „Gender Mainstreamings” eine gewisse Vielfalt an Modellen und Methoden. Die Anregungen von „Gender Mainstreaming” sind in geeigneter Weise aufzunehmen, indem das Prinzip auf die Realitäten der Jugendverbandsarbeit übertragen und handlungsleitend gefüllt wird. Im Rahmen eines „Gender Mainstreaming”-Prozesses wird es darum gehen, die Arbeitsfelder der Jugendverbände, die Strukturen des Landesjugendrings und seiner Mitgliedsverbände auf ihre Geschlechtsspezifik und deren Konsequenzen kritisch zu durchleuchten. Insbesondere sollen neue Perspektiven auf das Geschlechterverhältnis eröffnet und angeboten werden und die Verankerung des Gender-Ansatzes soll auf allen Ebenen stattfinden.
Die Arbeitshilfe gibt Tipps zur Implementierung von Gender Mainstreaming in den Strukturen und Inhalten der Jugendarbeit. Neben einer theoretischen Einführung stehen Praxisbeispiele, Übungen und Reflexionsmethoden im Mittelpunkt der Publikation. Zum Shop…
Schreiner sind männlich, Krankenschwestern weiblich! Der Schreiner ist in unserer Vorstellung zumeist männlich die Krankenschwester zumeist weiblich: (Fast) jede-r von uns arbeitet, bewusst oder unbewusst, mit Rollenzuschreibungen und Klischees. Dabei gibt es keine biologischen Gründe, warum Schreiner männlich und Krankenschwestern weiblich sein müssen, vielmehr handelt es sich um gesellschaftliche Zuschreibungen. Diese zu durchbrechen und wirklich gleiche Lebens-, Ausbildungs- und Berufschancen für beide Geschlechter zu erreichen sowie die unterschiedlichen Interessen von Männern und Frauen bei der Arbeit zu berücksichtigen will Gender Mainstreaming.